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Eine strikte „Option für die Armen“ – Katholische Kapitalismuskritik im Update

Zum Geburtsfest des Erlösers hier einige Gedanken darüber, was die frohe Botschaft des Christentums mit ihrer „Liebeserklärung“ an die Armen seit 2025 Jahren im irdischen Jammertal geleistet hat und unterm neuen Papst weiter leisten will.

Von Johannes Schillo

Dilexi te („Ich habe dir meine Liebe zugewandt“), so ist das erste soziale Rundschreiben von Papst Leo XIV. betitelt, das am 9. Oktober 2025 als „Exhortatio“ (Ermahnung) verkündet wurde und dessen eigenartige Erneuerung der katholischen Kapitalismuskritik im Gewerkschaftsforum bereits Thema war. Das Schreiben trägt den Untertitel „Über die Liebe zu den Armen“ [1] und, wie Leo darin eingangs mitteilt (DT 2), hatte sein Vorgänger Papst Franziskus die aus dem Buch der Offenbarung geschöpfte „Liebeserklärung“ schon in seiner eigenen Enzyklika „Dilexit nos“ (2024) über „die göttliche und menschliche Liebe des Herzens Christi“ aufgegriffen und dort deren „unerschöpfliches Geheimnis“, so heißt es etwas geheimnisvoll, „vertieft“. Leo will sich dieses Erbe zu eigen machen, und zwar ganz im Sinne seines „verehrten Vorgängers, dass alle Christen den tiefen Zusammenhang zwischen der Liebe Christi und seinem Ruf, den Armen nahe zu sein, erkennen mögen. Auch ich halte es nämlich für nötig, auf diesen Weg der Heiligung zu dringen…“ (DT 3).

Das seltsame soziale Programm, Armut eigentlich nicht zu bekämpfen und abzuschaffen, sondern zum Orientierungspunkt eines frommen Lebens, ja zu einem Ort der Gottesbegegnung zu machen, wurde jetzt noch einmal in der Jungen Welt („Geliebte Armut“) aus kritischer Perspektive in den Blick genommen. Im Folgenden sollen zu diesen Thesen einige Nachträge & Nachweise geliefert werden. Eine strikte „Option für die Armen“ – Katholische Kapitalismuskritik im Update weiterlesen