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10 Vorschläge für eine schlagkräftigere Gewerkschaft

Von Orhan Akman, Kandidat für den ver.di-Bundesvorstand

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich kandidiere auf eigene Initiative für den ver.di-Bundesvorstand. Das hat in unserer Organisation manche Wellen geschlagen und zu einigen auch unschönen Auseinandersetzungen geführt. Ich werde häufig gefragt, warum ich mich trotzdem dazu entschlossen habe, diese Auseinandersetzung zu führen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir neue Impulse brauchen, um unsere Gewerkschaft wieder nach vorne zu bringen. Deshalb habe ich nachstehend versucht, einige meiner Ideen in knappen Stichworten vorzustellen. 10 Vorschläge für eine schlagkräftigere Gewerkschaft weiterlesen

Versetzung und Diffamierung – ver.di-Bundesvorstand zieht weitere Register und leitet neue arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen mich ein

Von Orhan Akman

Die Personalabteilung unserer Gewerkschaft ver.di hat mich schriftlich informiert, dass sie mich nun versetzen will. Demnach soll ich in der ver.di-Bundesverwaltung nicht mehr im Bundesfachbereich Handel arbeiten, sondern künftig im „Ressort 2“ als „Gewerkschaftssekretär mit besonderen fachspezifischen Aufgaben“. Dabei soll ich die im „Ressort angesiedelten Querschnittsbereiche für die Gesamtorganisation bei Tarifrunden“ unterstützen sowie „die Unterstützung bei der Gewährleistung eines Wissensmanagements für Tarifauseinandersetzungen und Arbeitskampfmaßnahmen“ gewährleisten. In der Stellenbeschreibung heißt es weiterhin „Im Rahmen dieser Aufgabe fallen darüber hinaus unterstützende Arbeiten sowohl für die Bereiche Organisationspolitik und Recht und Rechtspolitik sowie die in den Tarifrunden eingebundenen Fachbereiche und bundesweit tätigen Zentralen Arbeitskampfleitungen an.“

Eine inhaltliche und nachvollziehbare Begründung für diese Versetzung bleiben der Bundesvorstand und die Personalabteilung schuldig. Versetzung und Diffamierung – ver.di-Bundesvorstand zieht weitere Register und leitet neue arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen mich ein weiterlesen

An der Heimatfront – die Reihen fest geschlossen!

Von Johannes Schillo

Wachsende Armut in Deutschland wird angesagt, geleugnet und gleichzeitig als epochale Herausforderung ins Bedrohungsszenario vom bösen Putin eingebaut.

„Russlands Machthaber Wladimir Putin will die westlichen Demokratien destabilisieren und spalten. Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf: Treten wir dieser zerstörerischen Strategie durch unseren Zusammenhalt gemeinsam entgegen!“ Das kommt nicht vom Verteidigungsministerium, so heißt es vielmehr im neuesten Aufruf „Für Solidarität und Zusammenhalt jetzt!“, initiiert von der DGB-Gewerkschaft Verdi.

Mit drastischen Worten benennt der Arbeitnehmerverein die „gewaltigen Aufgaben, vor denen die Menschheit derzeit steht“, und fordert entsprechende Konsequenzen. Vor allem die „Inflation mit dramatisch steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel und höchst unsozialen Folgen“ wird beklagt, also die Verarmung der Bevölkerung im kommenden Winter – und darüber hinaus. An der Heimatfront – die Reihen fest geschlossen! weiterlesen

ver.di: organizing war gestern – machen bald Drückerkolonnen die Mitgliederwerbung?

Da würde sich Joe Hill in seinem Grab herumdrehen. Der US-amerikanische Arbeiterführer, Gewerkschaftsaktivist, Sänger und Liedermacher, dessen letzte Worte vor seiner Hinrichtung don’t mourn – organize (trauert nicht-organisiert euch) waren, war quasi der Vater der neuen erfolgversprechenden Methode der gewerkschaftlichen Mitgliederaktivierung und -gewinnung. Viele hauptamtliche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter waren zur Schulung in dieser Methode extra für einige Wochen in die USA geflogen.

Joe Hill würde ganz sauer aufstoßen, dass ver.di schon seit einigen Jahren „ein junges Unternehmen spezialisiert auf Dialogmarketing“ engagiert, das „realisierenden Face-to-Face-Kampagnen zur Mitgliederwerbung“ entwickelt hat. Einfach ausgedrückt heißt das, dass anstelle der Mitgliederwerbung durch eine gute Gewerkschaftsarbeit im Betrieb und vor Ort, ver.di nun auf öffentlichen Straßen und Plätzen Mitglieder gewinnen will, wie man es z.B. von den Tierschutzvereinen kennt, die vor den Kaufhallen stehen. ver.di: organizing war gestern – machen bald Drückerkolonnen die Mitgliederwerbung? weiterlesen

Verdi-Aktivisten unzufrieden mit Tarifabschluss. Aktionstag Einzelhandel in Planung

Von Jessica Reisner
Nachdem die Tarifrunde für die 141.000 Kolleg*innen des Einzelhandels in Berlin-Brandenburg erst am 1. Juli 2019 offiziell begann, wurde am 5. Juli schon das Verhandlungsergebnis verkündet. Ohne jegliche Arbeitskampfmaßnahmen und Warnstreiks wurde das Ergebnis der Verhandlungen aus NRW für die Region Berlin-Brandenburg übernommen. Dabei steht sogar in NRW der Tarifvertrag erst nach der Zustimmung der großen Tarifkommission, die am 11. Juli 2019 tagt.

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Die „SubSubSub-Masche“ bei verdi und die „Wegwerfmenschen“ bei Prälat Kossens

Von Dieter Wegner /Gewerkschaftslinke Hamburg

Die DGB-Gewerkchaften: Sie geben sich eher selbst auf, als daß sie gegen das Kapital kämpfen. Und die Gewerkschaftszeitungen machen natürlich entsprechend beschönigend mit.

In der neuen Ausgabe von Publik, der Hauspostille für die verdi-Mitglieder, steht ein Artikel – siehe dieser Link –, bei dem verdi gut und die SubSubSub-Unternehmer schlecht wegkommen. Erwartungsgemäß. Das ist die übliche Schreibe in den Zeitschriften der DGB-Gewerkschaften. Denselben Artikel hätte Publik schon vor zehn oder 20 Jahren veröffentlichen können beziehungsweise kann ihn in zehn Jahren wieder hervorholen, nur der Name des Nachfolgers von verdi-Chef Bsirske müßte erneuert werden. Immer dieselbe Masche: Schimpfen auf die bösen Subunternehmer, viel Selbstlob und Appelle an den Staat und nebenbei noch Lob für SPD- und Schelte für die CDU-Minister in der Regierung.

Kurz vor seinem Abgang traut sich Herr Bsirske noch mal was ganz Radikales, er redet von „mafiösen Strukturen“ in der Paketbranche. Und hat mit dieser Masche großen Erfolg, er wird nicht nur in Gewerkschaftszeitungen viel zitiert. Was wollen die Gewerkschaftsführer und die Gewerkschaftszeitungen mit ihrer Masche erreichen? Daß die Mitglieder ob der Verbalradikalität, des Verstandenwerdens und des sich-Kümmerns bei der Stange bleiben, das heißt nicht austreten, denn das ist das Wichtigste an ihnen: Ihr Beitrag. Und den Konzernen wird signalisiert: Wir tun euch nichts, wir sind für die Beibehaltung der Werkverträge, der Leiharbeit, wie seit Jahrzehnten. Wir haben alles im Griff, wir sorgen weiter für sozialen Frieden. Die „SubSubSub-Masche“ bei verdi und die „Wegwerfmenschen“ bei Prälat Kossens weiterlesen

Gewerkschaft im Kampfmodus? – ein Blick auf die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di durch die IW-Unternehmer-Brille

Im Juni 2016 war das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zu dem Ergebnis gekommen, dass bei uns im Durchschnitt aller Branchen zunehmend mehr gestreikt wird. Neben dem Jahr 2012 zählte auch 2015 sehr viele Streiktage. Im Zeitraum von 2006 bis 2015 fielen im Schnitt wegen Streiks sieben Arbeitstage im Jahr pro 1000 Arbeitnehmern aus. 2014 hatte die IW-Statistik für den Zeitraum von 2005 bis 2014 noch einen Durchschnitt von nur vier Streiktagen pro 1000 Arbeitnehmern im Jahr ergeben.

Im internationalen Vergleich mit Staaten der Industrieländerorganisation OECD streiken die Deutschen aber immer noch selten, so lag im Jahr 2015 überraschenderweise Dänemark an der Spitze, mit durchschnittlich 120 ausgefallenen Arbeitstagen je 1000 Arbeitnehmern, auch in Frankreich waren es mit 117 fast genauso viele.

Dem IW ist aufgefallen, dass die Zahl der Arbeitskämpfe in Branchen, die die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertritt, in den vergangenen Jahren kräftig angestiegen ist. Das Institut unterstellt dabei in der Studie ver.di, auf Mitgliederverluste, eine rückläufige Tarifbindung und die zahlreicher werdenden Konkurrenzgewerkschaften „mit einer expansiven Tarifpolitik“ zu antworten. Die Unternehmerschaft verschweigt aber, dass die wesentliche Ursache für die die Arbeitsniederlegungen im Dienstleistungsbereich die Niedriglöhne für einfache Angestellte sind. Besonders lange Streiks gab es beispielsweise bei dem Billigheimer Amazon. Gewerkschaft im Kampfmodus? – ein Blick auf die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di durch die IW-Unternehmer-Brille weiterlesen