Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Osnabrückerinnen und Osnabrücker,
liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,
wir stehen heute hier – mitten in der Friedensstadt Osnabrück – am 24. Oktober, dem Tag des Westfälischen Friedens.
Hier, in dieser Stadt, endete vor 377 Jahren der Dreißigjährige Krieg – ein Krieg, der Europa verwüstete wie kaum ein anderer. Seine Gräuel wurden erst über 300 Jahre später übertroffen, durch die Massengemetzel des 1. und 2. Weltkrieges mit ihren insgesamt über 90 Millionen Toten, dem industriellen Massenmord an den Europäischen Juden und Sinti und Roma, dem noch einmal 7 Millionen Menschen zum Opfer fielen, und dem ersten – von den USA verantworteten Abwurf von Atombomben auf Menschen in Hiroshima und Nagasaki.
Vom Dreißigjährigen Krieg zum Heute
Der 30jährige Krieg:
• 8 Millionen Tote – überwiegend Zivilisten.
• Ein Drittel der Bevölkerung im Deutschen Reich war tot.
• Verheerte Landschaften, in denen nichts mehr wuchs.
• Dörfer verödet, Felder verbrannt, Menschen verhungert,
Kinder von der Pest dahingerafft.
• Europa war ein einziges Schlachtfeld.
Und doch, aus all dem Elend heraus, wagten Menschen hier in Osnabrück und Münster
etwas Revolutionäres: Sie suchten Verständigung, Diplomatie, Frieden.
Das war 1648.
Ein Signal: Frieden ist möglich – wenn Menschen es wollen.
Und heute?
377 Jahre später?
Wir sehen wieder verbrannte Städte.
Wir sehen Mariupol und Gaza-Stadt, Cherzon und Chanunis,
Wir erleben,
• wie Kriege „normalisiert“ werden,
• wie primitive Feindbilder gepflegt werden,
• wie Waffenlieferungen bejubelt,
und Rüstungsausgaben entgrenzt werden.
Wir müssen uns anhören, wie ein kriegsbegeisterter Bundeskanzler
vor laufenden Kameras und zur besten Sendezeit die völkerrechtswidrige Bombardierung des Iran durch die USA und Israel als ´erforderliche Drecksarbeit´ abfeiert…
Aber eins sollte allen klar sein:
Der nächste große Krieg, der da gerade in aller Öffentlichkeit vorbereitet wird, der wird nicht dreißig Jahre dauern – er wird in wenigen Wochen und Monaten mehr Zerstörung bringen als alles, was Europa und die Welt je erlebt haben, selbst wenn er nicht atomar geführt werden sollte….
Und wieder werden es nicht die Reichen sein, die kämpfen und als Kanonenfutter verheizt werden. Es werden nicht die Kinder der Vorstände, der Minister, der Aktionäre sein, die auf den Schlachtfeldern sterben.
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Nie war Krieg im Interesse der Arbeitenden
Noch nie, Kolleginnen und Kollegen,
war ein Krieg im Interesse der Arbeitenden.
Noch nie wollten die Arbeiter*innen, nie die Verkäuferin*innen, nie die Pfleger*innen oder Lehrlinge den Krieg. Noch nie war er in deren Interesse!
Es waren immer die Bosse, die Aktionäre, die Profiteure, die ihn zur Vermehrung ihrer Profite brauchten – bis zum Säckeplatzen!
„Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen!“
so kritisierte Rosa Luxemburg schon vor über 100 Jahren die Kriegslogik der Herrschenden.
Heute ist es nicht anders.
Während die Aktienkurse von Rheinmetall seit drei Jahren explodieren, sterben junge Menschen in der Ukraine, in Russland, in Gaza und im Westjordanland durch Waffen, die aus deutschen Kriegsfabriken kommen.
Hunderttausende Deserteure – auf beiden Seiten der Ukrainefront, Protestierende Offiziere und immer mehr verweigernde Reservist*innen der israelischen Armee – zeigen:
Die Menschen merken – je länger der Krieg dauert umso mehr:
Das ist nicht unser Krieg!
Das ist der Krieg der Reichen gegen die Armen,
der Krieg der Besitzenden gegen die Produzierenden.
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Kriegswirtschaft – Konversion pervers!
Was uns heute als „Transformation in der Zeitenwende“ verkauft wird,
ist tatsächlich nichts anderes als die Rückkehr zur Kriegswirtschaft.
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine läuft in Deutschland und Europa eine neue
Aufrüstungsspirale, gerechtfertigt mit Parolen wie „Verteidigung“, „Sicherheit“,
„Bündnistreue“, „Standortstärkung“.
Wer meint, es gehe bei den aktuellen Kriegen weltweit um ´Freiheit´ oder ´Despotie´,
´Aggression´ oder ´Selbstverteidigung´ oder gar um ´Völker- und Menschenrecht´ –
wer das tatsächlich glaubt, der ist der jeweiligen beiderseitigen Kriegspropaganda der
Herrschenden bereits auf den Leim gegangen. Um all das ging es in der Geschichte noch nie, und geht es eben auch gerade nicht.
Tatsächlich erleben wir gerade eine öffentliche, unverholene und offensive
Kriegsvorbereitung , einschließlich ´Kriegsertüchtigung´ unseres Gesundheitssystems, Wiedereinführung des Kriegsdienstes, Grundrechteabbau und Reaktivierung von Notstandsgesetzen.
Diese Kriegsvorbereitung ist ökologisch, sozial und ökonomisch zerstörerisch. Das Militär ist einer der größten Klimakiller des gesamten Planeten – doch seine Emissionen werden bei den Klimazielen gar nicht mitgerechnet.
Jede Bombe, jeder Panzer, jedes Manöver vernichtet Energie, Boden, Leben – und jeder Euro, der in Waffen fließt, fehlt beim Klimaschutz, bei Kitas, Schulen, Unis,
Gesundheitswesen, Pflege, Kultur und öffentlicher Infrastruktur.
Und wirtschaftlich?
Rüstungsausgaben verschwenden Ressourcen und Arbeitskraft, die wir dringend für den sozial-ökologischen Umbau brauchen. Sie nützen allein den Profiten des militärisch industriellen Komplexes, der gleichzeitig den politischen Druck für noch mehr Aufrüstung organisiert.
Noch vor kurzem hieß es: „Der Staat hat kein Geld“.
„Schuldenbremse!“ – so lautete das Dogma.
Aber plötzlich ist für Waffen, Munition und Panzer, Atombomber, Drohnen und
Mordwerkzeug aller Art jede Verschuldung erlaubt – ohne Grenze. „What ever it takes!“ –
Echt jetzt!?????
Die Schulden für Krieg machen uns jeden Tag ärmer, bringen uns immer näher an den Abgrund!
Investitionen in Bildung, Soziales und Nachhaltigkeit würden uns reicher machen und die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder sichern!
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Profit statt Sicherheit
Es ist die alte Logik des Kapitals:
Gewinne privatisieren, Lasten sozialisieren.
Wie diese Logik funktioniert, zeigt Rheinmetall.
Der Konzern kauft insolvente Betriebe – wie die Leichtwerk AG in Braunschweig – übernimmt Maschinen, Hallen, das Know-how der Beschäftigten – aber nicht die Menschen selbst, nicht ihre Zukunft.
Das Ziel ist nicht Sicherheit für die arbeitenden Menschen, sondern maximaler Profit.
Dasselbe bei Continental:
Dort werden Arbeitsplätze gestrichen, während Rheinmetall Fachkräfte abwirbt,
um Artilleriemunition zu produzieren.
Das nennen die Konzernbosse und ihre Steigbügelhalter in den Parlamenten, im Kanzleramt, im Kriegs- und Beschaffungsministerium „Transformation des Industriestandortes Deutschland“.
Wir nennen es das, was es ist: Konversion pervers!
Denn bei der Umstellung auf Kriegsproduktion geht es nie um die Sicherung von
Arbeitsplätzen, nie um die betroffenen Menschen.
Es geht um die Aneignung von Wissen, um die Militarisierung der Industrie, und am Ende stehen trotzdem Entlassungen – vor allem in Verwaltung, Entwicklung und Zulieferung.
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Görlitz ist das auffälligste Symbol der als ´Zeitenwende´ verharmlosten Mobilmachung.
Ein besonders bitteres Beispiel für diese Wahrheit ist das Waggonbauwerk in Görlitz –
ein Schicksal, das dem VW-Werk hier und der Stadt Osnabrück droht, wenn wir jetzt nicht rechtzeitig aufstehen und laut und vernehmlich NEIN! sagen.
Wie Karmann hier in Osnabrück war auch der Waggonbau Görlitz einst ein wichtiger
industrieller Traditionsbetrieb; seit 1849 Hersteller von Schienenfahrzeugen für den
nationalen und internationalen Markt. Der Waggonbau prägte die wirtschaftliche Landschaft in Görlitz wie kaum ein zweites Unternehmen, so wie Karmann hier die Region seit 1901.
Im Zuge der Wiedervereinigung wurde der Waggonbau Görlitz – ein vollständig gesundes und im internationalen Markt erfolgreiches Unternehmen!! – dann vom kanadischen Bombardier Konzern für den Bruchteil seines Wertes übernommen – damals mit rund 2.000 Beschäftigten. Doch weil die Rendite – trotz aus Steuergeldern finanzierter staatlicher Subventionen in mehrfacher Millionenhöhe – nicht ´stimmte´, stand das Werk 2016 vor der Schließung.
Dann kam der „Retter“: Alstom – mit dem Versprechen nachhaltiger Sicherung des
Industriestandortes Görlitz. Doch kaum ein Jahr später wurde ein massiver Stellenabbau angekündigt. Und weitere vier Jahre später, begann Alstom unter Bruch von tarifvertraglich abgesicherten Standortsicherungsvereinbarungenden finalen ´Rückzug´ bis Ende diesen Jahres.
Der neue „Retter“ heißt jetzt KNDS Deutschland – wie Rheinmetall ein deutscher
Rüstungskonzern und Kriegsprofiteur, der Panzer und Haubitzen baut – bis 2024 und der Fusion mit dem Französischen Rüstungsmulti Nexter hießen die Krauss-Maffei Wegmann.
KNDS hat angekündigt, in Görlitz nach der Übernahme bis zu 400 von zuletzt 700
Beschäftigten übernehmen zu wollen… 400 von 700!!! – Das sind gerade einmal ein wenig mehr als die Hälfte der zuletzt verbliebenen Arbeitsplätze!
In einer strukturschwachen Region wie der Oberlausitz ist das kein Rettungsplan,
sondern eine Demütigung. Und trotzdem heißt selbst die IG Metall diesen ´Deal´
willkommen. Der zuständige Bezirksleiter sagt, man sei froh, die Schließung ´abgewendet´ zu haben.
Aber zu welchem Preis?!
Diese Haltung – „Hauptsache, das Werk bleibt, egal was wir bauen;
egal mit wieviel verbleibenden Kolleg*innen“ – diese Haltung ist eine doppelte Kapitulation:
– eine Kapitulation vor Kriegs und Profitmaximierungslogik – und die Preisgabe des Prinzips, dass menschliche Arbeit dem Leben dienen muss, nicht dem Tod.
Arbeit für Panzer, Drohnen und Krieg ist keine Rettung.
Sie ist die Bankrotterklärung sozialer und ökologischer Vernunft.
Wer so wie die IG Metall in Görlitz argumentiert, der sagt im Grunde:
„Selbst wenn nur ein Arbeitsplatz bleibt –
Hauptsache, die Maschinen laufen – egal wofür.“
So darf das hier in Osnabrück bei VW nicht enden!
• Nicht noch einmal dieselbe Geschichte wie in Görlitz!
• Nicht noch einmal ein Werk,
das aus ziviler Produktion in militärische Nutzung getrieben wird!
• Nicht noch einmal die Illusion, dass Krieg Arbeitsplätze rettet!
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Hochrüstung ruiniert Sozialstaat und Zukunft
Wir stehen heute an einem Wendepunkt.
Während Schulen verfallen, Kitas und Pflegeheime Personal suchen, Busse und Züge
stillstehen – fließen Milliarden in Panzer, Drohnen und neue atomar bestückbare
Mittelstreckenraketen, die bereits in wenigen Monaten hier bei uns stationiert werden.
Was uns als „Sicherheitspolitik“ verkauft wird, ist tatsächlich ein gigantisches
Umverteilungsprogramm von unten nach oben.
Nie zuvor wurde so offen gesagt:
Für Rüstung ist immer Geld da – „whatever it takes“, aber für Bildung, Pflege, Soziales, Kultur und Klimaschutz sollen die Gürtel enger geschnallt werden.
Die Bundesregierung will künftig fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Militär und Kriegsvorbereitung ausgeben – das ist das größte Aufrüstungsprogramm seit dem Kalten Krieg.
Bis 2029 wird der jährliche Kriegshaushalt einschließlich der Investitionen für
militärrelevante Infrastruktur auf rund 240 Mrd. Euro steigen – das ist dann fast jeder zweite Euro des Bundeshaushaltes!
Jeder zweite Euro!!!
Doch jeder Euro, der in Waffen fließt, fehlt
• in den Kitas, Schulen und Universitäten,
• beim sozialen Wohnungsbau,
• im Gesundheitswesen und bei der Pflege,
• bei der Bahn und im öffentlichen Nahverkehr,
• bei den Kommunen.
• Und er fehlt nicht zuletzt
beim so dringend erforderlichen Klimaschutz.
Gleichzeitig verschärft diese Politik der Kriegsvorbereitung und Hochrüstung die ohnehin schon eklatante soziale Ungleichheit:
• Steuergeschenke und Millionensubventionen für Rüstungskonzerne – Kürzungen
beim Bürgergeld, Darlehen statt Zuschüsse für Kranken- und Pflegeversicherung,
und ein Rentensystem, das zunehmend ausschließlich auf Kosten der Beschäftigten
stabil gehalten werden soll.
So entsteht doppelte Erpressung:
Kanonen statt Butter! Rüstet mit – oder zahlt selbst!
Aber Hochrüstung schafft keine Sicherheit.
Hochrüstung macht arm, ungleich und unfrei.
Sie zerstört Zukunft, statt sie zu sichern.
Wir sagen:
Sozialstaat und Frieden gehören zusammen.
Wer den Krieg aufrüstet, rüstet den Sozialstaat ab.
Nur Entspannung und Abrüstung schaffen Luft für soziale Gerechtigkeit, für Bildung,
Pflege, Klimaschutz und ein gutes Leben für alle.
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Rheinmetall – alter Name, alte Schuld
Rheinmetall ist kein Neuling in diesem Geschäft.
Der Konzern war schon im Nationalsozialismus einer der zentralen Profiteure des
Vernichtungskrieges. Rheinmetall beutete Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus
und profitierte vom KZ-System des SS-Staates.
Heute steht derselbe Name wieder für Rekordprofite mit Staatsgarantie…
Wieder mit der Produktion von Panzern, Flugzeugteilen, Munition und Kriegsgerät jeder Art für den nächsten Krieg.
Und Rheinmetall steht nicht allein.
Auch Porsche, Deutz und Trumpf, Traditionsunternehmen mit „christlichen Werten“, drängen wieder in die Rüstungsproduktion.
Die Porsche- und Piëch-Familien, die über die Holding SE Milliarden besitzen und erhebliche Bedeutung auch für das VW-Werk und seine Zukunft hier in Osnabrück haben, suchen ´neue Anlagemöglichkeiten´…
Nicht etwa, weil sie kurz vor der Pleite stünden oder gar am Hungertuche nagen müssten, sondern schlicht, weil ihre Profite im Autogeschäft zurückgehen…
1,1 Milliarden Euro Gewinn im ersten Halbjahr 2025!!!! 2 Milliarden Liquidität – „Zu wenig!“, sagen sie – und prüfen deshalb jetzt verstärkt „Beteiligungen im Defense-Bereich“ – im lukrativen Drohnengeschäft stecken sie bereits dick drin.
Fragen dazu?!
Deutz in Köln will Motoren für selbstfahrende Artillerie liefern,
Trumpf Lasersysteme in Ditzingen für „defensive Anwendungen“.
Dabei wissen wir alle:
Wenn Kapital erst einmal Blut geleckt hat, wenn der Profit ruft – dann fällt jede moralische Schranke.
„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn.
10 Prozent sicher – und man kann es überall anwenden;
20 Prozent – es wird lebhaft;
50 Prozent – positiv waghalsig;
100 Prozent – es stampft alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß;
300 Prozent – und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.“
So beobachtete Karl Marx das schon vor 160 Jahren.
Seit Beginn des Ukraine-Krieges ist der Aktienkurs von Rheinmetall um über 1.900 Prozent gestiegen. In Worten: EINTAUSEND NEUNHUNDERT Prozent in nicht einmal vier Jahren…
300 Prozent – und es existiert kein Verbrechen, das das Kapital nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens…
Fragen dazu?!
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Sozialökologische Konversion ist möglich!
Aber, Kolleginnen und Kollegen, es gibt einen anderen Weg.
Sozialökologische Konversion ist kein Traum, sie ist möglich –und sie hat vielerorts bereits funktioniert.
Schon in den 1970er Jahren zeigten die Beschäftigten bei Lucas Aerospace in
Großbritannien, dass Arbeiter*innen selbst Ideen für sinnvolle Arbeit entwickeln können.
Sie erarbeiteten ein eigenes „Alternativprogramm“ – statt Raketenlenksysteme und
Flugzeugkomponenten wollten sie medizinische Geräte, Windkrafttechnik und öffentliche Verkehrssysteme produzieren.
Dieses Programm war weltweit ein Vorbild für demokratische, nachhaltige Industriepolitik – von unten.
Und auch bei uns, in Deutschland und Europa, gibt es Beispiele,
die Mut machen:
Die Lindauer Dornier GmbH ist ein deutsches Familienunternehmen mit Sitz in Lindau am Bodensee und stellt seit 1950 und heute mit rund 1.000 Beschäftigten Webmaschinen, Folienreckanlagen und Produktionsanlagen für die Faserverbundindustrie her.
Dornier, gegründet 1922, war unter den Nazis und während des zweiten Weltkriegs neben Rheinmetall eine der bedeutendsten Rüstungsschmieden in Deutschland.
In Bestwig, im Sauerland, produziert die Firma TITAL GmbH seit Jahrzehnten hochpräzise
Leichtmetall-Bauteile – einst vor allem für die Luftfahrt, teils auch für militärische
Triebwerke. Inzwischen werden ihre Gussteile zunehmend auch in Windkraftanlagen,
Turbinen und industriellen Energiesystemen eingesetzt.
Noch ist das keine vollständige Konversion – aber es zeigt, dass der Weg möglich ist:
Weg von Rüstungsabhängigkeit, hin zu nachhaltiger, zukunftsfähiger Technologie.
Und in Italien überführten Kolleginnen und Kollegen ehemals militärisch orientierte Werke – etwa im Umfeld der Leonardo-Gruppe und ehemaliger Finmeccanica-Zulieferer – in zivile Produktion: Solartechnik, Medizinelektronik, öffentliche Kommunikationssysteme.
Sie taten das gemeinsam mit ihren Gewerkschaften und Kommunen – und bewiesen:
Konversion kann gelingen, wenn die Menschen und Gemeinden sie selbst in die Hand
nehmen.
Diese Beispiele zeigen:
Wer Panzer bauen kann, kann auch Busse bauen.
Wer Präzision für Raketen liefert, kann Windräder ans Laufen bringen.
Wer Industrie beherrscht, kann Zukunft gestalten.
´Zivile Produktion statt Kriegsgerät!´
´Öffis statt Panzer!´
Das sind nicht nur Slogans – das ist eine realisierbare industriepolitische Perspektive.
Für das VW-Werk in Osnabrück läuft gerade eine Machbarkeitsstudie für eine nachhaltige
zivile sozial-ökologische Industrieperspektive.
Die Kolleg*innen im VW-Werk sind es, die das Wissen und die Fähigkeiten haben, die
Produktion dafür umzustellen und aufzubauen.
Dazu braucht es nicht mehr als
• den politischen Willen zu kreativem und innovativem Denken,
• einen Bruchteil des Geldes, was aktuell den Rüstungskonzernen für Kriegs- und
Mordwerkzeug in den Rachen geworfen wird,
• das Engagement der betroffenen Kommunen und
• die Kraft und Phantasie der Kolleginnen und Kollegen im Werk und ihrer
Gewerkschaft.
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IG Metall – Verantwortung und Macht
Gerade wir als Gewerkschafter*innen wissen:
Frieden ist eine Frage der Arbeit.
Die IG Metall ist laut Satzung verpflichtet,
„für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung und den Schutz der natürlichen Umwelt zur Sicherung der Existenz der Menschheit“ einzutreten. Sie ist paritätisch im Aufsichtsrat von Volkswagen vertreten.
Das bedeutet: Sie hat Macht. Reale, entscheidende Macht!
Und das Land Niedersachsen hat über das VW-Gesetz und seine 20%igen Stimmanteile im Aufsichtsrat de facto immer noch eine ´goldene Aktie´, also eine Sperrminorität, mit der es Rüstungsentscheidungen verhindern kann.
Das zeigt:
Die Frage, ob in Osnabrück, E-Autos, Busse, Lastenräder oder Panzer gebaut werden,
ist keine technische Frage, sondern eine zutiefst politische Auseinandersetzung.
Auch die Familien Porsche und Piëch, die im Zweiten Weltkrieg zu den zentralen
Rüstungsprofiteuren und Zwangsarbeitsverwertern gehörten, tragen eine historische
Verantwortung.
Der Volkswagen-Konzern wurde nach 1945 von den Beschäftigten wiederaufgebaut –
das VW-Gesetz sollte sicherstellen, dass sich eine industrielle Verstrickung in Krieg und
Faschismus niemals wieder wiederholt.
Und heute?
Alles schon wieder vergessen?
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Internationale Kämpfe – gelebte Solidarität
Überall auf der Welt zeigen Arbeiter*innen, was möglich ist,
wenn sie sich nicht spalten lassen.
• In Italien, Frankreich und Griechenland blockieren die Hafenarbeiter von Genua,
Livorno, Marseille und Piräus seit Monaten Waffenlieferungen an Kriegsparteien; sie
sind wirksam Sand im Getriebe der Kriegsbestie.
• In Frankreich streiken Millionen gegen Sozialabbau, Rentenklau und Kriegspolitik.
• In Griechenland verhindern Generalstreiks NATO-Manöver, Privatisierungen und
Sozialkahlschlag.
• In den USA setzt die Automobilarbeitergewerkschaft UAW tarifvertraglich gesicherte
„Green Transition Jobs statt Kriegsmobilisierung“ durch.
• Und in Lateinamerika, etwa in Argentinien, besetzen Arbeiter*innen immer wieder
stillgelegte Betriebe und führen sie selbstverwaltet weiter – für zivile, soziale
Produktion.
Diese Beispiele beweisen:
Wenn die Arbeitenden sich bewegen, bewegt sich die Welt.
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Widerstand wächst – auch hier
Auch bei VW regt sich zunehmend Widerstand.
In den Werken, in den Betriebsräten, in den Vertrauensleutekörpern auf den
Betriebsversammlungen.
Immer mehr Kolleg*innen sagen:
„Kriegsproduktion? Nicht mit uns!“
Sie knüpfen damit an die große Tradition der Arbeiter*innenbewegung an,
die nach 1945 sagte: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!
Denn wir wissen:
Alle Räder stehen still, wenn unser starker Arm es will.
Unsere Stärke liegt in unserer Solidarität.
Wenn wir sie einsetzen, können wir den Lauf der Dinge verändern.
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WER WIR SIND – DAS ZUKUNFTSWERK OSNABRÜCK
Wir sind das Aktionsnetzwerk „Zukunftswerk Osnabrück“ – ein Zusammenschluss von Kolleg*innen, Gewerkschafter*innen, Friedensaktivist*innen,
Initiativen der Zivilgesellschaft und Bürger*innen aus Osnabrück.
Uns einen drei elementare gemeinsame Ziele:
#1 Die FRIEDENSSTADT OSNABRÜCK
DARF KEINE WAFFENSCHMIEDE WERDEN!
Frieden lebt man nicht mit Panzerproduktion.
#2 Der KAMPF DER VW-BELEGSCHAFT FÜR IHRE ZUKUNFT IST AUCH UNSER KAMPF – WIR KÄMPFEN ZUSAMMEN!
Erhalt aller Arbeitsplätze, Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich,
#3 SOZIAL-ÖKOLOGISCHE KONVERSION FÜR DIE BEDÜRFNISSE ALLER – NICHT DEN
PROFIT WENIGER!
Wir wollen Busse, Bahnen, nachhaltige Produktion – keine Panzerketten und Munitionsfabriken!
Wir stehen klar gegen Militarismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit.
Wir bringen unsere Kräfte solidarisch zusammen – von VW-Kolleg*innen bis zu Aktivist*innen, von Schüler*innen bis zu Rentner*innen, von Gewerkschafter*innen bis zu Bürger*innen.
Wir engagieren uns gemeinsam für eine solidarische, soziale, demokratische und
ökologische Zukunft; für das gute Leben für Alle!
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Mit auf den Weg
Erich Maria Remarque – Sohn dieser Stadt – schrieb 1928 in seinem weltberühmten Roman ´im Westen nichts Neues´, in dem er seine persönlichen Traumata aus dem Gemetzel des ersten Weltkrieges reflektierte:
„Ich sah, wie Menschen gegeneinander geschickt wurden, die sich nie gehasst hatten,
und ich sah, wie der Hass gemacht wurde – von denen, die nicht kämpften.“
Und weiter:
„Frieden ist kein Zustand. Frieden ist ein Verhalten.“
Lasst uns dieses Verhalten zeigen – in unseren Betrieben, in unseren Gewerkschaften, auf unseren Straßen, in den Schulen, Unis und unseren Familien.
• Sagt NEIN! zu Krieg und Militarismus!
• Millionen sind stärker als Millionäre!
• Zivile Produktion statt Kriegsgerät!
Damit Osnabrück wieder wird, was es im Namen trägt:
Eine Stadt des Friedens!
Damit das VW-Werk wird, was es sein soll:
Ein Werk und Treibhaus für die Zukunft!
Vor 377 Jahren ging am 24. Oktober von hier aus ein Signal in die Welt:
Frieden ist möglich – wenn Menschen es wollen.
Heute erklären wir am selben Ort:
Osnabrück bleibt Friedensstadt!
Osnabrück, 24.10.2025
Andreas Buderus – es gilt das gesprochene Wort –
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Der Redner:
Andreas Buderus ist Mitinitiator der gewerkschaftlichen Basisinitiative »SAGT NEIN! Gewerkschafter:innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden«.
Weitere Infos: Home | Sagt NEIN!
