Gemeinsam in die Offensive – Dokumentation zur Streikkonferenz in Bochum

Am Wochenende 12. bis 14. Mai 2023 veranstaltete die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit 15 lokalen und regionalen Gewerkschaftsgliederungen die fünfte Konferenz «Gewerkschaftliche Erneuerung» an der Ruhr-Universität Bochum.

«Ausgerechnet Bochum: Hier im Ruhrpott erlebten die Gewerkschaften große Niederlagen. Das Aus von Opel und Nokia, der Niedergang des Bergbaus.

An diesem Wochenende ist die Stimmung auf dem Bochumer Campus aber ausgelassen, die Zeiten sind andere: Von einer Renaissance der Arbeitermacht ist die Rede; von einer ‹Konferenz in Zeiten des Aufschwungs gewerkschaftlicher Kämpfe› spricht Heinz Bierbaum, Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Das zeigen auch die Besucherzahlen: Zur letzten Streikkonferenz nach Braunschweig im Februar 2019 waren noch rund 820 Menschen gekommen, nun zählen die Veranstalter rund 1550 Anmeldungen.

Viele Besucherinnen und Besucher sind gekommen, um sich zu vernetzen, um von den erfolgreichen Arbeitskämpfen in anderen Branchen zu lernen. Oder um sich gegenseitig Solidarität zu versichern: Als eine Beschäftigte der Gelsenkirchener Galeria-Filiale von ihrem Kampf erzählt, gibt es Applaus und Standing Ovations. Die Filiale werde zum 1. Juli schließen, berichtet die Frau, den Angestellten sei gekündigt worden. ‹In der Kündigung hat man vergessen, uns zu danken›, erzählt sie. ‹Stattdessen kam dann ein Ostergruß mit dem Wunsch, dass wir hoffentlich Kundinnen bleiben.›

Eines machen die Teilnehmenden der Streikkonferenz von Anfang an klar. Gewerkschaft ist mehr als nur das Verhandeln über höhere Löhne oder kürzere Arbeitszeiten. In den Gewerkschaften werden die großen gesellschaftspolitischen Fragen genauso intensiv behandelt wie überall sonst – nur eben mit Fokus auf die Auswirkungen für Arbeitnehmer:innen. (…)

Wie Klima- und Arbeiterbewegung zusammenwirken können, um gemeinsame Ziele zu erreichen, berichten Christine Behle, stellvertretende Vorsitzende von Verdi, und Felicitas Heinisch, Aktivistin bei Fridays for Future. Beide Organisationen arbeiten eng zusammen: ‹Wir bringen die Streikmacht der Beschäftigten zusammen mit der gesellschaftlichen Macht der Klimabewegung›, so Heinisch, um insbesondere eine Verkehrswende zu erreichen, die das Klima schützt, aber die Interessen der Beschäftigten und der Bevölkerung nicht außer Acht lässt. (…)

Am zweiten Konferenztag geht es in die Arbeitsgruppen: In rund 25 AGs sprechen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ‹Machtaufbau durch Beteiligung›, über ‹Tarifrunden in Zeiten der Inflation› oder feministische Streiks. Schnell wird deutlich: Etwas zu sagen haben nicht nur die Referentinnen und Referenten aus den Betrieben, den Gewerkschaften oder von den Unis, sondern auch die Menschen im Publikum. (…)

Am dritten und letzten Tag der Konferenz ziehen die Veranstalter ein rundum positives Fazit: ‹Es war die größte links-gewerkschaftliche Konferenz in Deutschland seit Jahrzehnten›, sagt Florian Wilde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Konferenz habe ihren ‹überregionalen, gewerkschafts- und generationenübergreifenden Charakter und ihren Fokus auf praktische Fragen der Gewerkschaftsarbeit› bewahrt, habe sich zugleich aber auch sichtbar verjüngt. Die große Nachfrage in Bochum zeige: Der Bedarf nach derartigen Plattformen für einen Austausch einer pluralen Erneuerungsbewegung in den Gewerkschaften sei groß, so Wilde. ‹Es wird daher auch nicht die letzte Konferenz ihrer Art gewesen sein – die nächste wird für 2026 vorbereitet.›“

(Aus dem Konferenzbericht der Frankfurter Rundschau «Gewerkschaftskonferenz Bochum: Renaissance der Arbeitermacht»)

 

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Gemeinsam in die Offensive

Fotosammlung von der 5. Konferenz Gewerkschaftliche Erneuerung in Bochum, 12. bis 14.5.2023

 

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Vorträge und Präsentationen

 

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Presseschau

Medienpartner:

Weitere Presseberichte:

Renaissance der Arbeitermacht

Von Jana Ballweber, Steffen Herrmann
https://www.fr.de/wirtschaft/frax/gewerkschaftskonferenz-bochum-renaissance-der-arbeitermacht-92277228.html

Basisvernetzung oder Kontrollwahn?

Zur 5. Konferenz Gewerkschaftliche Erneuerung (in Bochum)
https://www.riruhr.org/

Solidarität, aber nur nach Drehbuch?

Gestern, am 14.5. haben zwei Mitglieder von ‚Stolipinovo in Europa e.V.‘ bei der Konferenz gewerkschaftliche Erneuerung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in dem Workshop ‘Solidarische Antworten auf Inflation, Krieg und Klimakrise – Rechtspopulismus im Betrieb den Boden entziehen’ um die Möglichkeit gebeten, spontan ein Statement beizutragen.
https://stolipinovoeuropa.org/Konferenz „Gewerkschaftliche Erneuerung“ lässt Leiharbeiter abblitzen

Dietmar Gaisenkersting, Hakan Özal
https://www.wsws.org/de/articles/2023/05/29/stol-m29.html

Kooperationspartner:

ver.di Landesbezirk NRW, NGG Landesbezirk NRW, ver.di Mittleres Ruhrgebiet, verdi Ruhr-West, ver.di Westfalen, IG Metall Ruhrgebiet Mitte, IG Metall Köln-Leverkusen, IG Metall Remscheid-Solingen, IG Metall Duisburg-Dinslaken, IG Metall Gelsenkirchen, IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper, DGB Stadtverband Bochum, GEW Stadtverband Bochum, IG BAU Region Westfalen, EVG Ortsverband Witten-Bochum, Arbeit und Leben Berg-Mark und Herford.
Die Veranstaltung wurde seitens der Ruhr-Universität Bochum sowohl von der Gemeinsamen Arbeitsstelle RUB/IGM als auch vom Institut für soziale Bewegungen begleitet.

Medienpartner:

Frankfurter Rundschau, taz, nd.Der Tag/nd.Die Woche, junge Welt, Sozialismus, express, LuXemburg

 

 

 

 

 

 

Quelle und Bild: https://www.rosalux.de/