Lufthansa: Anhaltende Arbeitskämpfe und Protest gegen Kanzlerbesuch

 Von Perspektive Online

Eigentlich sollte am Mittwoch nur das 100-jährige Jubiläum der Lufthansa gefeiert werden – inklusive Kanzlerbesuch. Überschattet wurde die Veranstaltung jedoch von Streiks und Protesten in einem Tarifkampf, in dem sich der Konzern zunehmend kompromisslos präsentiert.

In der Flugbranche ist Arbeitskampf angesagt. Zu Beginn der Woche gab es bereits einen 48-stündigen Streik der Pilot:innen der Lufthansa-Gruppe. Seit Mittwoch streiken nun auch erneut 20.000 Kabinenmitarbeiter:innen, nachdem sie Ende letzter Woche ebenfalls ihre Arbeit niederlegten. Die Streiks treffen ihr Ziel: Hunderte Flüge von Lufthansa und dem Tochterunternehmen Cityline müssen ausfallen.

Bestreikt werden, UFO zufolge, alle Abflüge der Lufthansa von den Drehkreuzen Frankfurt am Main und München sowie alle Abflüge der Lufthansa-Tochter Cityline von Frankfurt am Main, München, Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover.

Protest bei Kanzlerbesuch

Dabei ist der Zeitpunkt opportun gewählt. Denn während die Lufthansa ihr 100-jähriges Jubiläum feiern will, geben Pilot:innen und Kabinenmitarbeiter:innen ihren Tarifforderungen Nachdruck. In diesem Rahmen kam es bei der großen Jubiläumsfeier am Mittwoch nun auch zu Protesten von zahlreichen Angestellten der Lufthansa und den Schwesterunternehmen Cargo und Cityline. Anlass dafür ist der Besuch von Kanzler Friedrich Merz und Verkehrsminister Patrick Schnieder (beide CDU) in dem neuen Besucherzentrum am Frankfurter Flughafen.

Veranstalter waren die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (UFO) und die Vereinigung Cockpit (VC), die Pilot:innen vertritt. „Was für eine bessere Gelegenheit könnte es dafür geben, als wenn alle relevanten Entscheider sich bei einem Gläschen Champagner mit unserem Bundeskanzler gegenseitig dafür auf die Schulter klopfen, dass Lufthansa […] tatsächlich seit 100 Jahren die Welt verbindet“, heißt es von der UFO.

Außerdem soll den Bossen klar werden, dass es die Lufthansa-Arbeiter:innen sind, die für den Erfolg des Konzerns verantwortlich sind: „Uns treibt die Vision, dass mit uns ein Meer aus Kolleg:innen stehen wird, das dem ganzen Management nebst geladener Prominenz zeigt, warum die Lufthansa wirklich auf eine in weiten Teilen strahlende Erfolgsgeschichte zurückblicken kann.“

Arbeitskämpfe gegen Stellenabbau

Beim Streik der Gewerkschaft geht es nicht nur um die allgemeine Verbesserung der Tarifbedingungen, sondern auch um eine direkte Antwort auf die Pläne der Lufthansa-Gruppe. Man will im großen Stil umstrukturieren – 4.000 Arbeitsplätze sollen dabei bis 2030 gestrichen werden. Außerdem sollen viele Beschäftigte in die Schwestergesellschaften wie Discover Airlines verlagert werden, um so Personalkosten zu sparen.

Flugbegleiter:innen fordern eine soziale Absicherung für die kommende Zeit in einem Manteltarifvertrag. Dazu gehören insbesondere finanzielle Absicherungen, Übergangsregelungen und Schutzmaßnahmen für verschiedene Beschäftigtengruppen – etwa ältere Mitarbeitende oder solche kurz vor dem Ruhestand. Den Pilot:innen geht es vor allem um höhere Betriebsrenten.

Die Lufthansa zeigte sich nicht bereit, den Forderungen nachzugehen, weshalb sich etwa 94 % der Beschäftigten letzte Woche bereits für einen zweitägigen Streik aussprachen, der am Freitag endete. Der VC-Präsident Andreas Pinheiro gab an, dass der Konzern sich auf keine Verhandlungen einließe und stattdessen auf umfassende Forderungen und lange Laufzeiten poche.

Streikende sollen Forderungen aufgeben

Der Unternehmenssprecher gab an, dass der Streik der VC eine „völlig neue Stufe der Eskalation“ darstelle. „Wer ein solches Angebot ausschlägt und darüber hinaus auch keinerlei verhandlungsfähige Angebote macht“, kommt es wiederum seitens der VC, „nimmt zumindest in Kauf, dass sich Tarifauseinandersetzungen weiter zuspitzen, anstatt aktiv an einer Deeskalation mitzuwirken.“

Das Unternehmen selbst gab zwar an, dass sie vor allem darauf abzielen, jegliche Konflikte aufzulösen, die Lufthansa-Bosse zeigten sich dann aber wenig kompromissbereit. Die Kernforderung der Gewerkschaft nach Verdopplung einer „ohnehin schon überdurchschnittlichen und exzellenten betrieblichen Altersvorsorge“ sei absurd und unerfüllbar. Trotzdem sieht das Unternehmen die Schuld für den Tarifkonflikt bei der VC, die sich streikfähig halten wolle, anstatt elementare Forderungen des Tarifkampfs aufzugeben

 

 

 

 

 

 

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