Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar gewonnen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam sie auf 43,8 Prozent; 2021 waren es 20,8 Prozent. Die CDU fiel von 37,1 auf 17,2 Prozent.
Von Düzgün Polat
Das ist kein Randphänomen mehr und auch kein Ergebnis, das sich mit dem Wort „Protestwahl“ erledigen lässt.[1]
Die üblichen Erklärungen der politischen Landschaft liegen trotzdem bereit. Migration. Unzufriedenheit. Ostdeutsche Kränkung. Wirtschaftliche Sorgen. Schlechte Kommunikation der Bundesregierung.[2] Jede dieser Beobachtungen kann etwas treffen. Aber sie bleiben an der Oberfläche, solange sie nicht erklären, warum sehr unterschiedliche soziale Erfahrungen politisch in dieselbe Richtung übersetzt werden: in die Erwartung, eine andere Partei müsse endlich dafür sorgen, dass der Staat wieder „für die eigenen Leute“ handelt.[3]
Genau hier liegt die Stärke der AfD. Sie bietet ihren Wählern keine Kritik am Staat als solcher gesellschaftlichen Gewalt an. Sie bestätigt vielmehr den Anspruch, den viele Bürger ohnehin an ihn richten: Der Staat soll ihr Mittel sein. Wenn er ihnen als solches nicht erscheint, muss nicht dieser Anspruch überprüft werden. Schuld sind die falschen Politiker. Staatsidealismus, Nation und die verdrängte Klassenfrage – Warum die AfD in Sachsen-Anhalt einen Erdrutschsieg einfährt weiterlesen