Ein Gastbeitrag von Stefan Sell
Das Arbeiten zu Hause gibt es schon sehr lange, aber die moderne Form des Homeoffice hat während der Corona-Pandemie einen enormen Schub erhalten1 – und zugleich eine neuartige mindestens Zweiteilung des Arbeitsmarktes eingeleitet, entlang des Unterscheidungsmerkmals der konkreten Tätigkeiten nach ihrem Möglichkeitsgehalt, diese auch von zu Hause auszuüben. Bei der intensiven medialen Diskussion über Homeoffice wurde zuweilen „vergessen“, dass es Millionen Jobs gibt, von der Müllentsorgung über Pflege/Betreuung, Polizei und LKW-Fahrer bis hin zur Arbeit auf Baustellen oder im stationären Einzelhandel, die nicht nach Hause ausgelagert werden können – was vielleicht auch daran lag, dass diejenigen, die über das Thema berichtet haben und auch diejenigen, die darüber forschen, selbst ganz überwiegend von zu Hause zoomen und schreiben konnten und viele machen das auch heute noch weitaus intensiver als vor der Pandemie.
Bereits seit längerem wird man konfrontiert mit teilweise sehr kontroversen Debatten im Umfeld des sich ausbreitenden Anliegens vieler Arbeitgeber, die Leute wieder „zurückzuholen“ in die Büros2 – und die dabei durchaus auf Widerstände und Ablehnung bei einem Teil der Beschäftigten stoßen.
Parallel dazu hat sich die Forschung über die moderne Heimarbeit3 ausdifferenziert und zahlreiche differenzierte Befunde zu Tage gefördert.4 Auch zu der umstrittenen Frage, wie es denn mit der „Produktivität“ der Beschäftigten im Homeoffice-Setting bestellt ist.
Andere Perspektiven waren und sind auf die mögliche bzw. tatsächliche Spaltung zwischen den Geschlechtern gerichtet, auf die Auswirkungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu dem Vorwurf, die erkennbaren Muster der Homeoffice-Nutzung würden eine Retradionalisierung der Geschlechterrollen befeuern. Homeoffice: Die moderne Form der Heimarbeit ist gekommen, um (verändert) zu bleiben weiterlesen


