Ein Verbot von Atomwaffen ist die einzige zivilisierte Wahlmöglichkeit

Hier finden Sie die entscheidenden Argumente, welche von Menschen, die nicht frei denken können oder wollen, niemals erwähnt werden.

Atomwaffen sind undemokratisch, nutzlos, kriminell, terroristisch und verwerflich – sie taugen nicht dazu, als Abschreckung zu dienen, ohne benutzt zu werden. Ihre Entwicklung verschwendet Ressourcen, die zur Lösung wirklicher Probleme und zur Sicherung einer besseren menschlichen Zukunft gebraucht würden.

Von Jan Oberg

Die weltweiten Ausgaben für Atomwaffen haben 2025 den beispiellosen Betrag von 119 Billionen US-Dollar (USD) erreicht, so die letzte Analyse der Internationalen Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen (ICAN). Das bedeutet einen Anstieg von 19% gegenüber dem vorangegangenen Jahr und setzt den Trend der letzten fünf Jahre fort, immer mehr in Atomwaffenarsenale zu investieren. Seit 2021 haben die Atomwaffenstaaten insgesamt 471 Billionen USD für diese Waffen ausgegeben.

Allein die USA waren dabei für die Ausgaben von 69,2 Billionen USD verantwortlich, mehr als alle anderen Atomwaffenstaaten zusammen. Als Nationen mit den nächsten höheren Ausgaben folgten China (13,5 Billionen USD) und Großbritannien (12,6 Billionen USD). Alle 9 Atomwaffenstaaten ließen ihr Budget anwachsen, einige mit einer zweistelligen Prozentrate.

Dies sind keine kurzfristigen Investitionen. Laufende Modernisierungsprogramme lassen Atomwaffen auf Jahrzehnte hin einsatzfähig bleiben. Es wird erwartet, dass einige Systeme, die jetzt entwickelt oder bereitgestellt werden, bis in die 2060er, 2090er oder bis nach 2100 einsatzbereit sein werden. Gemeint sind damit die Sentinel ICBM der USA (eine landgestützte Interkontinentalrakete), die britischen Unterseeboote der Dreadnought-Klasse, die nächste Generation der U-Boote mit ballistischen Raketen in Frankreich und die Julang-3, eine ballistische, U-Boot-gestützte chinesische Interkontinentalrakete.

Die Ideologie des Nuklearismus ist nicht dabei, zu verblassen, sondern bleibt bis ins nächste Jahrhundert einzementiert – sowohl im Denken als auch in den Waffen.

Die größte Nutznießerin dieser Ideologie ist die Atomwaffenindustrie. 2025 verdienten mindestens 25 Privatunternehmen durch den Abschluss von Verträgen über Nuklearwaffen 38 Billionen USD. Zusammen halten sie 401 Billionen USD durch noch ausstehende Verträge. Ihre Lobbyarbeit ist extensiv: In den USA und in Frankreich flossen 138 Millionen Dollar und in Großbritannien wurden 226 Treffen zwischen Unternehmern und hochrangigen politischen Beamten dokumentiert. Nuklearwaffen sind nicht nur politische Instrumente, sondern auch kommerzielle Produkte mit mächtigen institutionellen Unterstützern.

Die Höhe der volkswirtschaftlichen Kosten ist schwindelerregend.

Die Gesamtausgaben im Jahr 2025 entsprechen dem regulären Jahreshaushalt der UNO für 32 Jahre. Mit den Ausgaben für Atomrüstung von nur einem Tag könnte die Umstellung von 17.000 Haushalten auf Solarstrom finanziert oder 2 Billionen Bäume gepflanzt werden. Atomwaffen bedrohen nicht nur die Menschheit, sie verschwenden auch in vielfacher Hinsicht all die Ressourcen, die die Zukunft der Menschheit sichern könnten. 

Demokratiefeindlichkeit, Terrorismus, Gesetzlosigkeit, Abschreckung, Risiken und Verwerflichkeit: Die Grundpfeiler des nuklearen Wahns

Atomwaffen bleiben der zerstörerischste und demokratiefeindlichste Fluch der Menschheit. Kein Mensch wurde je gefragt, ob er wolle, dass diese Waffen in seinem Namen entwickelt werden. Die Entscheidung für Werkzeuge, die fähig sind, Millionen von Bürgern und Bürgerinnen zu töten, wird ohne öffentliche Abstimmung getroffen, ohne demokratische Debatte oder moralische Verantwortlichkeit. In keiner einzigen Meinungsumfrage wird aufgezeigt, dass die Mehrheit irgendeines Landes diese Waffen besitzen will oder ihren Einsatz auf ihrem eigenen Territorium akzeptieren würde.

Das Grundmerkmal von Atomwaffen ist, dass sie konzipiert wurden, um unschuldige, an keinem Konflikt beteiligte Menschen zu töten. Dieses Prinzip – der Vorsatz Zivilisten ins Visier zu nehmen – wird im humanitären Völkerrecht grundsätzlich verurteilt. Dieses Prinzip ist unvereinbar mit jeglichem Anspruch von Zivilisation, Ethik oder verantwortungsvoller Staatsführung.

Die Drohung mit oder der Gebrauch von Gewalt gegen Zivilisten, um politische Ziele zu erreichen, ist die Grunddefinition von Terrorismus. Dieses Prinzip verkörpern Atomwaffen auf ganzer Linie. Ihre Zerstörungskraft nimmt nicht militärische Ziele ins Visier, sondern Städte, die Bevölkerung und die Grundlagen des Lebens. Der strategische Wert der Atomwaffen liegt genau in dieser ihrer Fähigkeit, massenhafte Verluste unter der Bevölkerung zu verursachen. Das ist kein Nebeneffekt, dass ist der Grundsatz.

Nukleare Abschreckung beruht darauf, dass ganze Gesellschaften fürchten, vernichtet zu werden. Nutzen nichtstaatliche Akteure diese Logik, wird es Terrorismus genannt. Wenden Staaten diese Logik an, wird es Sicherheitspolitik genannt. In moralischer Hinsicht gibt es hier keinen Unterschied.

Nukleare Waffen sind auch nach dem Völkerrecht illegal. Der Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW), der 2017 von der UNO-Generalversammlung angenommen worden ist, verbietet die Entwicklung, den Besitz, die atomare Drohung sowie den Einsatz von Atomwaffen. Im Januar 2021 trat er in Kraft und wird mittlerweile von 93 Unterzeichnerstaaten und 70 Vertragsstaaten unterstützt. Der Vertrag drückt den Willen der Mehrheit der Menschen aus: In den Ländern, die Atomwaffen ablehnen, leben die meisten Menschen. Staaten im Besitz von Atomwaffen stehen außerhalb dieses rechtlichen und moralischen Rahmens, abgetrennt von den Werten, die sie angeblich verteidigen.

Die Unterstützer von Atomwaffen behaupten oft, die Abschreckung verhindere einen Krieg, weil die Atomwaffen ja niemals eingesetzt würden. Doch dieses Argument hat keine Substanz.

Wenn beide Seiten wissen, dass diese Waffen niemals eingesetzt werden, ist die Abschreckung gleich null. Abschreckung funktioniert nur, wenn die Staatsführer auch den Willen haben, die Drohung wirklich auszuführen – das bedeutet, sich zum Massenmord zu verpflichten, sollte die Strategie der Abschreckung fehlschlagen. Die Glaubwürdigkeit der Abschreckung beruht also auf der erklärten Bereitschaft, Menschen in einer Größenordnung abzuschlachten, die jedes Prinzip des Völkerrechts verletzt. Eine Doktrin, die die Bereitschaft verlangt, ein Verbrechen gegen die Menschheit zu begehen, kann nicht als Friedensstrategie ausgegeben werden.

Atomwaffen sind auch verwerflich und unlogisch. Es gibt kein politisches Ziel, das ihren Einsatz und die automatische Ermordung von Millionen Menschen, die Zerstörung von ganzen Städten und die irreparable Zerstörung von Lebensraum rechtfertigt. Kein Mensch oder keine Regierung wo auch immer können oder dürfen die Macht haben, über die Zukunft der Menschheit zu entscheiden. Keine Regierung würde sie auf dem eigenen Territorium einsetzen und in mehr als einer Hinsicht sind sie per Definition nicht defensiv. Wer kann einen Landstrich erobern oder nutzen, wenn er atomar verseucht ist – eine Atomwüste wofür? Somit haben sie keinerlei militärischen Nutzen.

Selbst wenn man die innewohnende perverse Logik akzeptieren würde, die Abschreckung scheitert dennoch aus praktischen Gründen. Zu viele Unfälle – von denen Sie wahrscheinlich noch nichts gehört haben.

Die Abschreckung setzt fehlerloses Denken, fehlerlose Information, fehlerlose Technik und fehlerlos stabile politische Verhältnisse voraus – Voraussetzungen, die es in der menschlichen Geschichte nie gab. Die Bilanz der Beinahe-Unfälle mit Atomwaffen führt die Anfälligkeit des Systems vor Augen: Fehlalarm bei NORAD (North Amercan Aerospace Defense Command), Fehlfunktionen beim Satelliten-Frühwarnsystem, Fehldeutungen von Radarsignalen, verlorene Bomben, versehentliche Aktivierungen und menschliche Irrtümer, die die Welt beinahe innerhalb von Minuten in die Katastrophe geführt hätten. Allein der Petrov-Zwischenfall – bei dem ein einzelner Sowjet-Offizier beschloss, ein Signal, das scheinbar auf eine US-Atomrakete hinwies, nicht weiter zu melden – zeigt, dass es bei Abschreckung geblieben ist, nicht weil diese funktioniert hat, sondern weil Einzelne den Gehorsam verweigert haben.

Ein Sicherheitssystem, das abhängig ist von glücklichen Zufällen, von Geheimhaltung und von der Hoffnung, dass niemand irgendwann einen Fehler macht, ein solches System kann auf ganzer Linie keine Sicherheit garantieren. Das Leben von Billionen von Menschen befindet sich in dauernder Geiselhaft und hängt von der fehlerfreien Funktion der Maschinen und den fehlerfreien Urteilen politischer Führer ab.

Kein anderer politischer Bereich würde ein solches Risiko zulassen. Keine Gesellschaft würde ein Transport-, Energie- oder Gesundheitssystem akzeptieren, das durch einen einzigen Fehler innerhalb von hundert Jahren das Ende der Zivilisation herbeiführen würde. Genau das aber fordert die nukleare Abschreckung.

Atomwaffen sind kein stabilisierender Faktor. Sie sind nicht zivilisiert. Sie sind nicht kompatibel, weder mit Demokratie, noch mit Gesetz oder Menschenwürde, und nicht zuletzt auch nicht mit militärischer Effizienz.

Atomwaffen sind der letzte große Aberglaube der modernen Welt – ein Glaube, der behauptet, Terror könne Frieden bringen. Die Menschheit hat Sklaverei, Kinderarbeit, Vergewaltigung als Kriegsmittel und absolute Monarchie verboten. Sie kann Atomwaffen ebenso verbieten.

Es gibt eine Konvention gegen Genozid. Würden Atomwaffen eingesetzt, würde das nicht nur zu einem Genozid führen, es wäre ein Omni- und Ökozid.

Wie der ICAN Report aufzeigt, geben Atomwaffenstaaten einer langfristig angelegten atomaren Wiederbewaffnung den Vorzug vor globalen Allgemeingütern. Die politische Argumentation macht deutlich, dass die Ideologie des Nuklearismus sich in keiner Weise von der Logik des Terrorismus unterscheidet. Im historischen Rückblick erweist sich Abschreckung als ein Mythos, der durch Glück und Selbsttäuschung aufrecht erhalten wird.

Zusammengefasst führen diese Tatsachen nur zu einer einzigen Schlussfolgerung: Atomwaffen haben keinen Platz in der zivilisierten Welt.

Das Verbot von Atomwaffen ist kein idealistischer Traum. Sie ist die einzig rationale, ethische und menschliche Antwort auf ein System, dessen Grundlage die  – unakzeptable – Drohung mit Massenmord ist.

Es braucht für uns nur die Explosion einer einzigen kritischen Masse: Die Mobilisierung der Menschheit für das allerwichtigste Anliegen:

VERBOT DER ATOMWAFFEN JETZT!

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Der Originalartikel kann hier besucht werden:

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