Kubas Revolution von 1959 bis heute: Über bedeutende Errungenschaften und existenzielle Bedrohungen

Mit der Revolution von 1959 konnte sich Kuba vom Neokolonialismus befreien und zahlreiche fortschrittliche Reformen durchsetzen. Seit jeher ist das Land ein Brennpunkt imperialistischer Machtkämpfe – und die Errungenschaften sind aktuell gefährdeter als je zuvor. Lukas Mainzer zeichnet die Geschichte der kubanischen Revolution und ihrer Entwicklung bis heute nach.

Von Lukas Mainzer

Der karibische Inselstaat Kuba ist in einer existenziellen Krise. Aktuell kommt es zu immer weitreichenderen Blackouts in der Stromversorgung. Während in den vergangenen Jahren der Strom zeitweise gezielt abgeschaltet wurde, gibt es nun immer wieder totale landesweite Stromausfälle. Der kubanische Energieminister Vicente de la O Levy erklärte Mitte Mai: „Wir haben absolut kein Heizöl und absolut keinen Diesel mehr.“

Die Stromerzeugung Kubas beruht zu überwiegenden Teilen auf Kraftwerken, die mit den fossilen Energieträgern Öl und Gas betrieben werden. Da es auf Kuba kaum eigene Rohstoffe gibt, ist das Land auf Importe angewiesen. Doch diese Importe sind mittlerweile fast komplett weggebrochen. Besonders seit dem US-Angriff auf Venezuela im Januar 2026 ist dem kubanischen Staat der wichtigste Öllieferant verloren gegangen.

Hauptgrund dafür sind zweifelsohne die Blockaden und Sanktionen der USA gegenüber Kuba.

Gegen Kuba besteht seit den 1960er Jahren ein Wirtschafts-, Handels- und Finanzembargo seitens der USA. Damit ist sie mit über 60 Jahren die am längsten andauernde Totalblockade der modernen Geschichte.

Revolution von 1959

Die Blockade der USA wurde in Reaktion auf die kubanische Revolution von 1959 eingeführt. Damals wurde der US-treue Diktator Fulgencio Batista durch die revolutionäre „Bewegung des 26. Juli“ gestürzt. Führende Köpfe der Gruppe waren die späteren kubanischen Regierungschefs Raúl und Fidel Castro oder Che Guevara. Schon während dem Beginn der Revolution versuchten die USA, etwa durch geheimdienstliche Operationen, die ihnen treue Regierung zu erhalten.

Zwei Jahre nach dem Ausbruch der Revolution kam es zudem zur militärischen Invasion der USA. Bei der Invasion in der sogenannten Schweinebucht versuchten über 1.000 Exil-Kubaner:innen mit Unterstützung des US-Militärs die Insel zu stürmen. Jedoch war die kubanische Armee militärisch überlegen und am Ende siegreich.

Sanktionen durch die USA

Nachdem sich die kubanische Revolution konstituiert hatte, begannen die USA damit, Sanktionen gegenüber Kuba in Gang zu setzen. 1961 brachen die USA alle diplomatische Beziehungen mit Kuba ab. Anschließend verkündete der demokratische US-Präsident John F. Kennedy am 3. Februar 1962 die totale Blockade Kubas mit dem Präsidentenerlass 3447.

Die Blockade verhindert jeglichen Handel mit Kuba, die Einfuhr kubanischer Produkte wurde gestoppt und auch Unternehmen aus Drittstaaten können für ihre Handelsbeziehungen mit Kuba belangt werden. Regelmäßig verhängen die USA hohe Geldstrafen gegen Banken, Unternehmen, Organisationen oder einzelne Personen, die auf Kuba Geschäfte machen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Blockade seit Bestehen einen Schaden im hohen Milliardenbereich auf der Insel erzeugt hat.

Regelmäßig kommt es zu Abstimmungen bei den Vereinten Nationen über die Aufhebung der Blockade. Die jeweils überwältigende Mehrheit für ein Ende der Blockade scheitert jedoch an der Ablehnung weniger Staaten. Vordergründig der USA und deren engsten Verbündeten.

Enteignungen in der Landwirtschaft

Mit der Revolution konnte sich die ursprünglich spanische Kolonie aus der neokolonialen Abhängigkeit von den USA befreien. Zuvor waren etwa große Teile der Ländereien im US-Besitz. Hunderttausende lebten in Armut, es gab eine hohe Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit. Über eine Million Menschen waren Analphabet:innen, besonders die afrokubanische Bevölkerung im ländlichen Raum. Kubas Hauptstadt Havanna war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für US-Amerikaner:innen ein Reiseziel zur Vergnügung. Im Gegensatz zu den USA waren auf Kuba Alkohol, Glücksspiel und Prostitution legalisiert.

Das Land besaß quasi keine eigene Industrie. Die Landwirtschaft war durchzogen von Monokultur im Zuckeranbau für den Hauptabnehmer, die USA. Dabei gab es eine feste Quote für Zucker, der regelmäßig in die USA exportiert werden musste. Auf dem US-Markt hatte der Zucker dann garantierte niedrige Verkaufspreise. Vom Handel konnten nur eine Handvoll Kubaner:innen profitieren.

Viele der vorherrschenden Probleme wurden im Zuge der kubanischen Revolution durch die neue Regierung angegangen. Als eine der ersten Maßnahmen wurde schon 1959 eine Agrarreform angestoßen. Großgrundbesitz wurde enteignet und Bäuer:innen konnten zu Besitzer:innen ihrer landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen werden. Innerhalb weniger Jahre gelangten etwa 70 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche unter staatliche Kontrolle.

Reformen in Bildung und Gesundheit

Auch im Bildungsbereich konnten schnell Erfolge erzielt werden. Eine landesweite Alphabetisierungskampagne senkte die Zahl der Analphabet:innen innerhalb von einem Jahr von 23 auf 4 Prozent der Bevölkerung. In kürzester Zeit lernten 700.000 Menschen lesen und schreiben. Dafür entsandte die Regierung Hunderttausende Freiwillige aufs Land. Schon im Dezember 1961 verkündete Fidel Castro, Kuba sei ab jetzt das erste Land Lateinamerikas ohne Analphabetismus. Bis heute ist die Rate eine der höchsten weltweit.

Eine der zentralsten Errungenschaften der kubanischen Revolution sind die Reformen im Gesundheitssektor. Vor der Revolution konzentrierte sich die Gesundheitsversorgung fast ausschließlich auf urbane Regionen. Und auch dort waren sie meist weißen und wohlhabenden Kubaner:innen vorbehalten. Die Lebenserwartung lag bei nur etwa 60 Jahren. Mit etwa 80 gehört sie heute zu den Höchsten in Lateinamerika.

Beginnend mit der Revolution 1959 wurde zuerst das Gesundheitssystem verstaatlicht. Per Verfassung wurde allen Bürger:innen unabhängig von Einkommen oder Herkunft ein universeller Zugang zu Gesundheitsversorgung garantiert. Der Staat investierte massiv in die Ausbildung von Ärzt:innen und medizinischem Personal. Gezielt wurden dabei auch Landärzt:innen geschaffen und gefördert.

Trotz des Status eines Entwicklungslandes liegt Kuba heute bei vielen Werten im Gesundheitsbereich, wie etwa der Säuglingssterblichkeit, auf gleichem oder sogar besserem Niveau als viele westliche industrialisierte Staaten. Kubas Gesundheitsversorgung und Ausbildung strahlen dabei auch auf andere Länder ab. Kubanische Ärzt:innen werden von der Regierung im Rahmen der internationalen Solidarität weltweit entsendet. So halfen kubanische Ärzt:innenteams etwa bei Naturkatastrophen oder Pandemien wie Ebola in Afrika 2014 oder Corona 2020 in Italien.

Verstaatlichung von Wohnraum und Industrie

Auch in den Bereichen Wirtschaft und Industrie machte Kuba nach der Revolution schnell große Fortschritte. Noch vor der Industrie wurde im Jahr 1959 die kubanische Telekommunikation verstaatlicht. Auch sie war Teil eines US-Monopols. Im selben Jahr folgten Banken und Versicherungen. Kurz darauf wurde das Gesetz „Ley 851“ auf den Weg gebracht. Es vereinfachte die Verstaatlichung US-geführter Unternehmen auf Kuba massiv.

In den kommenden Monaten folgte die Verstaatlichung von Ölraffinerien, der Elektrizitätsgesellschaft und Zuckerfabriken. Schließlich folgte im Oktober 1960 die Verstaatlichung aller Vermögenswerte auf Kuba, die im Besitz von US-Bürger:innen waren. Bis heute werden von Seiten der USA dafür Entschädigungen gefordert.

Auch in der Wohnraum- und Mietpolitik gab es radikale Änderungen. Nachdem in einem ersten Schritt sämtliche Mieten stark gesenkt und Zwangsräumungen gestoppt worden waren, gab es 1960 eine weitreichende Mietreform. Private Großvermieter wurden enteignet und Wohnungen an Mieter:innen übertragen. Private Vermietungen wurden damit quasi komplett abgeschafft. Heute gibt es eine Eigentumsquote an Wohnraum von über 85 Prozent.

Langsame antipatriarchale Fortschritte

Der kubanische Staat setzte sich nach der Revolution das Ziel, die doppelte Ausbeutung der Frauen zu beenden. Der Staat schaffte flächendeckend kostenlose Kindertagesstätten. Mit dem Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sollten Frauen auch arbeitsrechtlich gleichgestellt werden. Die in Kuba weit verbreitete Prostitution wurde verboten und mit hohem Aufwand bekämpft. Dennoch lief ein gesellschaftlicher Wandel für die Gleichstellung aller Geschlechter eher schleppend voran.

Abtreibungen wurden erst 1965 legalisiert. Eine rechtliche Gleichstellung von Ehepartner:innen wurde 1975 gesetzlich verankert. Noch bis in die 1970er-Jahre gab es eine staatlich verordnete Homo- und Transfeindlichkeit, die Homosexualität und transgeschlechtliche Personen als „Abweichung“ einstufte und verfolgte. Erst 1979 wurden homosexuelle Handlungen straffrei. Gesellschaftlich waren Homo- und Transfeindlichkeit noch lange weit verbreitet.

Erst ab 2000 wurden nach und nach mehr Gesetze eingeführt, die geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung schützen. 2006 etwa wurden Geschlechtsangleichungen legalisiert. Fidel Castro entschuldigte sich 2010 öffentlich für die kubanischen Schwulenverfolgungen. Heute hat Kuba eines der fortschrittlichsten Familiengesetze der Welt. Trotzdem herrschen in der Gesellschaft noch starke patriarchale Strukturen vor.

Eine zentrale Errungenschaft der kubanischen Revolution ist die Demokratisierung der Kultur. Der Staat schaffte und finanzierte auf dem Land und in Städten Filminstitute, Kulturzentren, Opern, Theater und Bibliotheken. Kunst und Kultur sollten nicht mehr nur den Eliten zugänglich sein. Institutionen wie das kubanische Nationalballett oder kubanische Filme wurden stark staatlich gefördert und reisten als Kulturbotschafter um die Welt.

Sozialistische Revolution?

Die kubanische „Bewegung des 26. Juli“ hatte ursprünglich nicht das Ziel, eine sozialistische Revolution zu schaffen. Anfangs hatte die Revolution einen klaren demokratisch-nationalen Charakter. In seinem Manifest „Die Geschichte wird mich freisprechen“ schrieb Fidel Castro die Ziele der Revolutionären nieder. Sie waren eher reformistisch als revolutionär. Eines der Ziele war, die bürgerlich-demokratische Verfassung von 1940 wiederherzustellen.

Zudem sollten Agrarreformen durchgesetzt werden und Fabrikarbeiter:innen an Gewinnen beteiligt werden. Von der Verstaatlichung sämtlicher Böden, Häuser und Industrie war jedoch nicht die Rede. Die Revolutionsbewegung bestand auch eher aus vergleichsweise wenigen bürgerlichen Studierenden und wurde nicht durch eine Massenbasis der Arbeiter:innenklasse getragen.

Die Revolutionäre schafften es jedoch ab 1959, Kuba aus der neokolonialen Abhängigkeit der USA zu befreien und erste Reformen durchzusetzen. Doch durch den massiven Druck der USA war die kubanische Regierung gezwungen, weitreichende Enteignungen durchzusetzen, um die Revolution nicht scheitern zu lassen.

Knapp zwei Jahre nach dem Beginn der Revolution bekannte sich Fidel Castro zum Marxismus-Leninismus und bezeichnete die Revolution ab diesem Zeitpunkt als sozialistisch. Zu diesem Zeitpunkt waren schon einige Merkmale einer sozialistischen Revolution erfüllt. Wie etwa die Verstaatlichung zentraler Infrastruktur. Erst 1965 wurde dann die Kommunistische Partei Kubas geschaffen.

Anschließend wurde sie zum zentralen Machtorgan des Staates. Es wurden eigene Massenorganisationen wie Gewerkschaften oder ein Frauendachverband gegründet. Über Volksräte sollte auf lokaler Ebene eine Partizipation möglich sein. Doch für das Fortbestehen und die Aufrechterhaltung der kubanischen sozialistischen Revolution gab es große, vor allem außenpolitische, Hürden.

Sabotageakte durch die CIA

Bei allen innenpolitischen Erfolgen schränkten und schränken die US-Sanktionen und die damit verbundene totale Blockade Kubas das Land weiter massiv in der eigenen Entwicklung ein. Auf einen Schlag verlor Kuba mit dem US-Markt etwa drei Viertel der Importe. Viel schwerer wiegen aber die fehlenden Importe aus den USA und Drittstaaten, die US-Sanktionen vermeiden wollen und deswegen nicht mehr mit Kuba handeln.

Viele kubanische Fabriken, Fahrzeuge und Infrastruktur wurden von US-Firmen und mit US-Technologie erbaut. Seit dem Beginn der Blockade ist es dadurch sehr schwer, Ersatzteile zu bekommen. Sie müssen über teure Umwege beschafft werden, oder die Menschen auf Kuba müssen kreativ werden.

Die USA gingen jedoch noch weiter und betrieben gezielte Sabotageakte gegen die kubanische Politik und Industrie. Prominentestes Beispiel dafür war die Operation Mongoose. Bei dieser CIA-Geheimoperation nach der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht 1961 wurde eine Vielzahl verschiedener Pläne ausgearbeitet, um die Regierung Kubas zu zerstören. Dazu zählen 638 Mordpläne gegen Fidel Castro, militärische Angriffe, die Verminung kubanischer Häfen, Mörserangriffe auf Kraftwerke oder gezielte Brandanschläge auf Raffinerien. Als Zugeständnis zur Auflösung der Kubakrise 1962 verworfen die USA diese weit fortgeschrittenen konkreten Angriffspläne.

Trotzdem musste der kubanische Staat weiterhin jederzeit auf militärische Angriffe der USA vorbereitet sein. Dadurch musste die Regierung viele Ressourcen in Militär, Sicherheitsmaßnahmen oder Geheimdienste stecken. Ressourcen, die der kubanische Staat sicherlich lieber in den zivilen Fortschritt gesteckt hätte.

Folgen von Blockade und Sanktionen

Das US-Embargo beschränkt auch besonders den Zugang zu Medikamenten oder medizinischem Gerät. Zwar gehört Kuba weiterhin zu den Ländern mit den meisten Ärzt:innen pro Einwohner:in, trotzdem können durch fehlende Arzneimittel viele gesundheitliche Maßnahmen nur teilweise oder gar nicht durchgeführt werden.

Operationen müssen durch fehlende Medikamente etwa verschoben werden, was den Tod bedeuten kann. Immer wieder kam es zu Epidemien auf Kuba, da Chemikalien zur Herstellung von Medikamenten fehlten. Erschwerend kommt der durch Auswanderung bedingte Brain-Drain von medizinischem Fachpersonal hinzu.

Die Blockade der USA sorgt auch für eine chronische Rohstoffknappheit im Land. Ein Mangel an Treibstoff hat Einfluss auf nahezu alle Bereiche. So können Fabriken zur Lebensmittelproduktion nicht betrieben werden, Kraftwerke zur Stromerzeugung können nur teilweise arbeiten oder Traktoren in der Landwirtschaft stehen still.

Abhängigkeiten zur Sowjetunion

Der Wegfall des wichtigsten Handelspartners, den USA, wurde schnell durch eine ebenso große Weltmacht ausgeglichen. Schon direkt nach der Revolution begann eine enge Zusammenarbeit zwischen Kuba und der Sowjetunion. Aus der UdSSR wurde etwa schon ab 1959 Öl bezogen. Die damals noch im US-Besitz befindlichen Raffinerien weigerten sich anschließend sowjetisches Rohöl zu verarbeiten.

Daraufhin wurden sie kurzerhand enteignet. Anschließend nahm die Sowjetunion in fast allen der kubanischen Außenbeziehungen die Rolle der USA ein. Die Sowjetunion importierte kubanischen Zucker, jedoch diesmal zu Preisen über dem Marktniveau. Als Ausgleich dafür wurde die Sowjetunion zum zentralen Öllieferanten Kubas mit Preisen weit unter dem Marktniveau. Kuba verkaufte sogar überschüssiges sowjetisches Öl für eigene Gewinne. Doch die Beziehungen gingen weit über den Handel von Zucker und Öl hinaus.

Mit wirtschaftlichen Subventionen kam die Sowjetunion für etwa ein Viertel des kubanischen BIP aus. 85 Prozent des kubanischen Außenhandels liefen mit dem Ostblock ab. Ein Großteil der kubanischen Energie wurde in, durch die Sowjetunion erbauten, Kraftwerken erzeugt. Auch der Import von Dünger für die Landwirtschaft, Autos oder Stahl war komplett von der Sowjetunion abhängig.

Die direkte Abhängigkeit von der Sowjetunion und dem Ostblock sorgte auch dafür, dass Kuba keine eigene Industrie aufbauen konnte, die die eigenen Bedürfnisse deckt oder auch international konkurrenzfähig wäre. Zudem gibt es auf Kuba keine nennenswerten Energievorkommen wie Öl und Gas.

Wie auch zu Zeiten vor der Revolution war die Landwirtschaft Kubas stark geprägt vom Zuckeranbau, da die Exporte von der Sowjetunion massiv subventioniert wurden. Der Zuckeranbau hat sich zu dieser Zeit schlicht mehr gelohnt als der Anbau von anderen Nahrungsmitteln. Das bremste auch eine weitere Industrialisierung Kubas aus.

Kuba-Krise

Die Bereitschaft zur Unterstützung Kubas durch die Sowjetunion war zwar offensichtlich ideologisch motiviert, jedoch zeigte die Kuba-Krise etwa auch die militärische Bedeutung der sowjetisch-kubanischen Beziehung im Kalten Krieg.

Als Antwort auf die Stationierung US-amerikanischer Raketen in der Türkei und Italien stationierte die Sowjetunion Mittelstreckenraketen direkt vor der Haustür der USA auf Kuba. Beide Supermächte waren einem Atomkrieg so nah wie nie zuvor. Die Stationierung der Raketen auf Kuba geschah gegen den Willen der Regierung, die sich jedoch der Sowjetunion fügen musste.

Sonderperiode ab 1991

Die extreme Abhängigkeit Kubas gegenüber der Sowjetunion rächte sich mit Beginn ihres Zerfalls ab 1990. Kuba stürzte in kurzer Zeit in die schwerste Wirtschaftskrise seit der Revolution. Mit dem Zerfall der Sowjetunion fielen etwa schlagartig 90 Prozent der subventionierten Öllieferungen an Kuba weg. Auch brachen nahezu alle Handelspartner im Ostblock weg. Präsident Fidel Castro rief die „Sonderperiode in Friedenszeiten“ aus.

Der kubanische Staat musste sein Öl nun auf dem „freien Markt“ zu weitaus höheren Preisen einkaufen. Dafür fehlten Kuba jedoch die Devisen. Die Folgen waren dramatisch. Das kubanische BIP sank um etwa 40 Prozent. Durch fehlendes Öl und damit auch eingeschränkte Stromversorgung brachen Landwirtschaft, Verkehr und Industrie nahezu komplett zusammen. Große Teile der Bevölkerung litten an Hunger.

Nur langsam konnte sich die kubanische Wirtschaft wieder erholen. Einer der zentralen Faktoren dafür war der Amtsantritt des Sozialisten Hugo Chávez als Präsident Venezuelas ab 1999. Die Regierung Venezuelas nahm die Rolle der Sowjetunion ein und lieferte Kuba wieder vergünstigtes Öl. Außerdem öffnete sich Kuba teilweise für ausländische Investitionen und besonders für ausländischen Tourismus. Gleichzeitig wurde der Besitz von US-Dollar in der Folge legalisiert. Parallel zum Kubanischen Peso wurde mit dem Peso convertible eine zweite kubanische Währung eingeführt, die im Kurs 1:1 fix an den US-Dollar gebunden war und den Handel mit US-Dollar nach 1990 ersetzte.

Die Sonderperiode zwang Kuba auch dazu, die eigene Landwirtschaft umzustellen. Jahrhundertelange Monokulturen in der Zuckerproduktion wurden diversifiziert, um vor allem die Bedürfnisse im eigenen Land zu decken. Bis heute ist dadurch Kuba deutlich weniger abhängig von Nahrungsmittelimporten als zu Zeiten vor 1990. Außerdem wurde durch das Fehlen von Treibstoff und Dünger Kubas Landwirtschaft deutlich nachhaltiger und ökologischer.

Privatwirtschaft und Inflation

Die wirtschaftlichen Krisen ab 1990 sorgten auch für eine teilweise Öffnung Kubas Wirtschaft für eine Privatisierung. Ab 2010 etwa, wurden erste private Kleinunternehmer:innen und Selbstständige in vereinzelten Branchen zugelassen. Bäuer:innen dürfen mittlerweile mit einem Teil ihrer Erträge Handel betreiben. Zuvor mussten sie alles an den Staat abgeben.

Preise für Exporte werden jedoch weiterhin staatlich reguliert. Seit der verschärften Krise ab 2020 wurden in fast alle Branchen Kleinunternehmer:innen zugelassen. Die Maßnahme wurde mit dem Ziel beschlossen, die Versorgungslage im Land zu stabilisieren und einen wirtschaftlichen Aufschwung in Gang zu setzen. Jedoch hat sich die Lage seitdem nur verschlechtert. In der Nahrungsmittelversorgung hat sich eine Parallelwirtschaft zum Staat etabliert, der über planwirtschaftliche Maßnahmen die Bevölkerung nicht mehr versorgen kann. Lange Zeit gab es eine garantierte staatliche rationierte Lebensmittelversorgung für Kubaner:innen über ein Bezugsbücher (Libretas).

Privatwirtschaftliche Akteure importieren illegal am Staat vorbei Lebensmittel ins Land oder entwenden Produkte aus staatlichen Einrichtungen um sie für eigene Profite weiterzuverkaufen. Große Teile der Kubaner:innen sind ein diese Geschäfte auf dem Schwarzmarkt eingebunden. Die Waren werden zu deutliche höheren Preisen als die staatlich festgelegten verkauft.

Die Folge ist eine extreme Inflation und Abwertung des kubanischen Pesos. Offizielle Wechselkurse zwischen Dollar und Peso haben zeitweise um den Faktor 10 bis 20 von den Kursen auf dem Schwarzmarkt entfernt. Diese Entwicklung wird verstärkt durch den starken Rückgang von Tourist:innen seit Beginn der Corona-Pandemie und dem damit verbunden Mangel an ausländischen Währungen im Land.

Als Folge der Inflation und hohen Schwarzmarktpreisen reichen die Löhne im staatlichen Sektor nicht mehr aus, das Leben auf Kuba zu finanzieren. Da mit schätzungsweise 80 Prozent der Bevölkerung weiterhin ein Großteil der Kubaner:innen im Staatssektor angestellt sind, sind diese gezwungen entweder in die Privatwirtschaft zu wechseln oder sich über Schwarzarbeit etwas dazuzuverdienen. Das sozialistische System wird so immer weiter ausgehöhlt.

Wirtschaftliche Beziehungen zu Russland

Mit dem Ende der Sowjetunion ist Kubas Abhängigkeit gegenüber Russland als Nachfolgestaat jedoch nicht vollständig beendet worden. Russland ist ein zentraler Wirtschaftspartner Kubas in vielen Bereichen. So hat Russland Kuba etwa 2014 90 Prozent der Schulden aus Zeiten der Sowjetunion erlassen. Und auch verbliebene Schulden wurden im Zuge dessen umstrukturiert und bis 2040 verlängert. Gleichzeitig gewährte Russland neue Kredite zur Investition auf dem Inselstaat. Auch gibt es weiterhin essenziell wichtige Treibstofflieferungen Russlands an Kuba. Im Frühjahr 2026 lieferte inmitten Kubas schwerster Ölkrise ein Tanker russisches Öl nach Kuba.

Im Rahmen des internationalen Weltwirtschaftsforums in St. Petersburg 2026 wurde auch eine Intensivierung der Handelsbeziehungen beider Länder angekündigt. Etwa 90 russische Unternehmen zeigen Interesse daran, auf Kuba einen Absatzmarkt für Nahrungsmittel zu finden. Zudem wollen russische Unternehmen auch im Energiebereich Kubas investieren, um etwa Kraftwerke zu sanieren. Beide Seiten verweisen auf langjährige Erfahrung im Umgang mit US-Sanktionen.

Wegen Kubas aktueller schwerer Energiekrise bleiben Tourist:innen aus Europa oder Kanada fern. Währenddessen werden Tourist:innen aus Russland immer wichtiger und waren 2025 das zweitwichtigste Herkunftsland. Trotz der andauernden Krise haben staatliche russische Airlines die Zahl der Flüge nach Kuba erhöht. Dem kubanischen Staat bleibt so zumindest eine Quelle von Devisen erhalten.

Wachsende Kooperation mit China

Auch der chinesische Staat wird ein immer wichtigerer Wirtschaftspartner Kubas. Genau wie Russland hilft China Kuba bei der Umschuldung. Dafür wurde im September 2025 ein gemeinsames Abkommen beschlossen.

Zur besseren Umgehung der US-Sanktionen sind kubanische Banken dem System „Cross-Border Interbank Payment System“ (CIPS) beigetreten, das eine chinesische Alternative zum US-amerikanischen SWIFT darstellt. Zahlungen zwischen Kuba und China werden seitdem in Yuan getätigt.

Bei der Energieversorgung will China ebenso wie Russland Kuba vermehrt unterstützen. Bis 2028 sollen 92 Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 2.000 Megawatt entstehen. Das würde mehr als die Hälfte des auf der Insel benötigten Stroms abdecken. Doch dafür müssten zuvor noch das Stromnetz und Speicherkapazitäten massiv ausgebaut werden.

Technologische Unterstützung gibt es auch beim Internet und Mobilfunk. Der chinesische Hersteller Huawei ist der wichtigste kubanische Partner beim Auf- und Ausbau des kubanischen Mobilfunknetzes.

Während der aktuellen Wirtschafts- und Versorgungskrise auf Kuba ließ China im Januar 2026 ein Nothilfepaket in Höhe von 80 Millionen Dollar zukommen. Das Geld wurde etwa für die Beschaffung von Elektroausrüstung und anderen dringenden Bedürfnissen im Land bereitgestellt. Parallel dazu schenkt China Kuba Tausende Tonnen Reis, um die Bevölkerung zu ernähren.

Neuordnung weltweit und auf Kuba

Neben der historischen Verbundenheit dürfte die – teilweise unentgeltliche – Unterstützung Kubas durch Russland und China auch strategische Gründe haben. Während sich aktuell die Kräfteverhältnisse zwischen den Großmächten auf der Welt grundlegend zu ändern scheinen, rückt Kuba wieder zunehmend in das internationale imperialistische Interesse. Die USA haben die Rückkehr der Monroe-Doktrin ins Leben gerufen und wollen zunehmend Kontrolle über den amerikanischen Kontinent gewinnen.

Das kleine widerspenstige Kuba in kurzer Distanz zu den USA ist da eines der wichtigsten Ziele. Mit Venezuela wurde bereits einer der letzten engen Verbündeten Kubas aus dem Weg geräumt. Ähnliche Pläne für Kuba dürften wohl bereits in den Schubladen der CIA liegen. Nachdem die Sanktionen gegen Kuba unter US-Präsident Trump in den vergangenen Monaten schon immer weiter verschärft wurden, ist die Lage auf Kuba aktuell dramatisch wie noch nie seit der Revolution.

Die Energieknappheit durch die Blockade Kubas kostet durch fehlende Stromversorgung von Krankenhäusern wohl bereits Menschen das Leben. Zudem können durch fehlenden Treibstoff keine Lebensmittel mehr durch das Land transportiert werden. Tausende Tonnen Hilfsgüter der UN lagern in kubanischen Häfen und warten auf Weitertransport.

„Ausbluten“ lassen oder US-Invasion?

Russland und China als Konkurrenten der USA um die globale Vorherrschaft haben ein Interesse daran, dass Kuba nicht auf den Status von vor 1959 zurückfällt und keine (Neo-)Kolonie der USA wird. Denn bereits Anfang 2026 haben beide Staaten mit dem Sturz Nicolás Maduros in Venezuela einen wichtigen Verbündeten verloren.

Mit dem „Ausbluten“ Kubas durch Blockaden und Sanktionen scheinen die USA wohl einen Zusammenbruch des kubanischen Staates erzwingen zu wollen. Ob es im Verlaufe dessen zu einem militärischen Angriff der USA kommt, ist aktuell noch unklar. Die kubanische Regierung hat derweil damit begonnen, die eigene Bevölkerung zu bewaffnen und auf einen möglichen kommenden Krieg vorzubereiten.

Maßnahmen wie vermehrte russische Öllieferungen oder der Bau chinesischer Solarparks könnten mittelfristig wieder für spürbare Verbesserungen auf Kuba sorgen. Doch das würde auch die Spannungen und das Kriegsrisiko rund um Kuba verschärfen. Gerade China scheute bisher jegliche militärische Konfrontation mit den USA. Die Leidtragenden des wirtschaftlichen, militärischen und politischen Drucks auf Kuba sind und bleiben die Kubaner:innen und die Errungenschaften ihrer Revolution.

 

 

 

 

 

 

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Bild: Die Fahnenmasten der Tribuna Antiimperialista vor der US-Botschaft in Havanna IMAGO / Newscom / GDA