Volkswirtschaftliches Desaster – Insolvenz als Geschäfts- und Sanierungsmodell

Mittlerweile geschieht es fast täglich: Ein Unternehmen meldet ein Insolvenzverfahren beim örtlichen Amtsgericht an und entscheidet sich für das Verfahren in Eigenverwaltung bzw. im Schutzschirmverfahren.

Das Ganze entpuppt sich als zwielichtiges Manöver, zugunsten der Bilanz des in der Regel in vollem Umfang weiter arbeitenden Unternehmens und zuungunsten der bisher geflossenen öffentlichen Mittel und der vom Arbeitsplatzverlust bedrohten Beschäftigten.

In der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik wird nur auf die wachsende Zahl der Unternehmensinsolvenzen geschaut, die ein Beleg für die wirtschaftliche Talfahrt im Lande sei und sie ignorieren völlig, dass die Verfahren in Eigenverwaltung bzw. im Schutzschirmverfahren schlicht und ergreifend ein gut funktionierendes Geschäftsmodell der Unternehmen sind.

Niemand prangert dieses volkswirtschaftliche Desaster an und will wahrhaben, dass die Insolvenzordnung nach und nach für solche Spielchen vom Gesetzgeber und der Rechtsprechung geändert wurde.

Im Folgenden soll der Blick auf das Insolvenzrecht in Deutschland gerichtet werden, das solche Betrugskonzepte zur Profitsteigerung, auf dem Rücken der Beschäftigten, erst ermöglicht. Volkswirtschaftliches Desaster – Insolvenz als Geschäfts- und Sanierungsmodell weiterlesen →

2026: Das Jahr, in dem der Rechtsruck erfolgt?

Vor einem Jahr hatte der Bundestagswahlkampf sein heißes Thema gefunden: Hält oder bröckelt die Brandmauer gegenüber der AfD? Die Frage bleibt 2026 aktuell und betrifft auch den Weg zur „Kriegstüchtigkeit“.

Von Johannes Schillo

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat mit persönlichen Konsequenzen gedroht, sollte seine Partei mit der AfD zusammenarbeiten, meldete der WDR kurz vorm Weihnachtsfest. Es dürfe mit der „Nazi-Partei“ (so die Einstufung durch NRW-Regierungschef Hendrik Wüst, CDU) „keinen Kuschelkurs geben“, auch keine Minderheitsregierung, die sich von der AfD in irgendeiner Form tolerieren lässt. Dann sei er weg, also verlasse die Partei, so der Law-and-Order-Minister aus NRW – etwas radikaler übrigens als sein Kollege Karl-Josef Laumann (CDU), der für denselben Fall mit Rücktritt von seinem Ministeramt gedroht hatte. Die WDR-Meldung verwies dabei auch auf den einschlägigen CDU-Parteitagsbeschluss, in dem eine solche Zusammenarbeit „ohnehin“ ausgeschlossen sei. „Allerdings“, so fuhr sie fort, „hatte die Unions-Bundestagsfraktion vor der Bundestagswahl Mehrheiten mit der AfD bei Anträgen zur Migrationspolitik hingenommen.“

In der Tat. Eine kategorische, inhaltlich begründete Ausgrenzung der AfD gibt es nicht. Der „fiktive Charakter der Brandmauer“ ist überhaupt nicht schwer zu erkennen, wie es vor einem Jahr im Gewerkschaftsforum hieß. Letzte Bestätigung: der Weihnachtskommentar „Die Existenzfrage der AfD“ in der FAZ (24.12.2025). Hier nahm Jasper von Altenbockum Bezug auf die aktuelle Auseinandersetzung in der Partei, wie sie durch die Reform der Wehrdienstmodernisierung aufgekommen ist. Die AfD – im Prinzip pro Aufrüstung und Wehrpflicht als Schritt zu einer neuen deutschen Weltmachtrolle – hat dem Gesetz nicht zugestimmt; sie ist sich nicht einig, ob man dem eingeschlagenen Weg der schrittweisen Einführung einer Wehrpflicht zustimmen solle oder nicht. Als „Soldatenpartei“, die man ja sein will, müsste man das, als Anti-Establishment-Partei natürlich nicht. Die FAZ freute sich über dieses Dilemma. Interessant ist aber die Wegweisung für anständige Politik, die hier erteilt wurde: „gestände die Partei der Bundeswehr Patriotismus zu und hielte sie diesen Staat für verteidigungswürdig“, dann wäre sie „auf dem besten Weg … zur Verfassungstreue“. 2026: Das Jahr, in dem der Rechtsruck erfolgt? weiterlesen →

Der deutsche Militarismus in der Zeitenwende – Kriegsbereitschaft heute

Kein Zurück zu friedlichen Verhältnissen – vom Imperativ der Kriegstüchtigkeit

Seit dem Amtsantritt von Trump sorgen dessen machtvolle Initiativen, den Ukraine-Krieg zu beenden und einen Waffenstillstand zu verfügen, für Alarmstimmung in Deutschland: Es droht ein Frieden, der an „uns“ vorbei verhandelt wird. Die politisch Verantwortlichen hierzulande lassen keinen Zweifel daran, dass ein möglicher Friedensdeal, der für Russland erträglich ist, für sie unerträglich ist, sie sich also von den Verhandlungen umso mehr herausgefordert fühlen, ihre Feindschaft voranzutreiben und dafür zu einer eigenständigen, abschreckungsfähigen Militärmacht aufzusteigen. Zu ihrer Sicht auf die aktuelle Lage und was diese von ihr verlangt, liefert die deutsche Politik Klarstellungen am laufenden Band: Der deutsche Militarismus in der Zeitenwende – Kriegsbereitschaft heute weiterlesen →

Rosa Luxemburg Konferenz 2026

Rosa Luxemburg Konferenz 2026 

10. Januar 2026 , ab 9:30 bis 20:00 Programm – anschließend Fete

Wilhlem Studios, Kopenhagenerstr. 60-68, 13407 Berlin

Binnen drei Jahren – bis 2029 – soll die BRD »kriegstüchtig« werden, verlangt die deutsche Regierung. Die Ziele sind Russland und die Volksrepublik China. Denn die imperialistische Logik ist an eine Fressgrenze gestoßen: Ohne großen Umverteilungskrieg droht dem Westen ein Hegemonieverlust, denn die Länder der sogenannten Dritten Welt und die BRICS-Staaten nehmen die Vorgaben aus den USA und aus der EU nicht mehr einfach so hin. Dies aber würde den dritten Weltkrieg bedeuten – mit unabsehbaren und katastrophalen Folgen.

Die Kriegsertüchtigung der Völker des Westens läuft auf vielen Ebenen – durch soziale Umverteilung in Rüstungsproduktion, durch Hetze und Dämonisierung ausgemachter »Feinde«. Die 31. Rosa-Luxemburg-Konferenz will schlaglichtartig beleuchten, was das in verschiedenen Ländern bedeutet. Und auch aufzeigen, wie Gegenwehr aussehen kann – durch alternative Medienarbeit, gewerkschaftliche Proteste und zivilgesellschaftlichen Ungehorsam. Die Dinge laufen nicht reibungslos für die Herrschenden.

Fallen wir ihnen bei ihren militaristischen Vorbereitungen in den Arm – keinen Menschen und keinen Cent für den dritten Weltkrieg! Rosa Luxemburg Konferenz 2026 weiterlesen →

Verkehrte Fronten – Selbstaufgabe ist keine emanzipatorische antimilitaristische Perspektive


Von Andreas Buderus

In der aktuellen Auseinandersetzung um die Zukunft des VW-Werks in Osnabrück veröffentlichte die UZ – Unsere Zeit, die Wochenzeitung der DKP, pünktlich zu Weihnachten den Artikel „Wie geht es weiter?“[1] sowie den Leitartikel „Falsche Fronten“[2] von Achim Bigus, ehemaliger Mitarbeiter von Karmann/VW.[3] Beide Texte intervenieren in eine reale, zugespitzte Debatte um Arbeitsplatzsicherung, Rüstungsproduktion und gewerkschaftliche Perspektiven am VW Standort Osnabrück.[4]

In beiden Beiträgen geht es im Kern um die Akzeptanz der Prämisse, dass Produktion an sich neutral sei, dass Arbeiter*innen sich notgedrungen anpassen müssten und dass politische Organisationen und vor allem Gewerkschaften diese Haltung lediglich „abbilden“ könnten. Aus dieser falschen Beschreibung wird eine verdichtete politische Empfehlung.

Dass diese Intervention ausgerechnet zur Weihnachtszeit erscheint, ist mehr als eine Randnotiz. Weihnachten ist das Fest der Wünsche und Wunschzettel, nicht der Auseinandersetzung und des Kampfes. Da darf mensch hoffen statt handeln, bitten statt fordern – vielleicht fällt ja ein Krümel vom reich gedeckten Gabentisch der Profiteure ab. In diesem Fall: vom Gabentisch des militärisch-industriell-digitalen Komplexes, der Kriegstüchtigkeit, Standortlogik und „Resilienz“ als Zukunft verkauft.

Mit Blick auf den unmittelbar bevorstehenden 15. Januar, den Gedenktag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, gibt es dazu allerdings einiges zu sagen. Verkehrte Fronten – Selbstaufgabe ist keine emanzipatorische antimilitaristische Perspektive weiterlesen →

Armut, Rente, Arbeitszeit – Der Herbst der Reformen

Der deutsche Kanzler ist unzufrieden mit denen, die er regiert: Von seinen Deutschen arbeiten zu viele nicht, sondern leben im Luxus des staatlich bereitgestellten Existenzminimums; diejenigen, die arbeiten, tun das viel zu kurz – pro Woche und überhaupt gemessen an ihrer überbordenden Lebensdauer; und sie bestehen unter dem Slogan ‚work-life-balance‘ auch noch darauf, dass ihre Arbeit sich irgendwie für sie lohnt. Des Kanzlers ‚Herbst der Reformen‘ soll ihnen solchen Unfug austreiben.

Ich werde mich durch Worte wie Sozialabbau und Kahlschlag und was da alles kommt nicht irritieren lassen. Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar.“ (Merz auf dem CDU-Parteitag, 23.8.25)

Warum eigentlich nicht? Offensichtlich produziert das schöne System der Volkswirtschaft, dem der Kanzler sich verpflichtet weiß, nicht nur einen immer weiter wachsenden Geldreichtum, sondern mit ihm eine ebenso wachsende Masse an Sozialfällen, die staatliche Betreuung braucht, weil sie für die Erwirtschaftung dieses Reichtums nicht mehr nützlich ist. Diese Armut ist laut Merz zu einer unerträglichen Last geworden – nicht etwa für die Betroffenen, sondern für die Volkswirtschaft, die man mit ihren sozialen Unkosten nicht behelligen darf. In diesem Sinne ruft er einen „Herbst der Reformen“ aus und stellt dazu klar: „Es geht dabei um nicht weniger als um Gerechtigkeit, um einen neuen Konsens darüber, was Gerechtigkeit in unserer Zeit heute eigentlich heißt.“ (Ders. im Bundestag, 17.9.25)

Die fällige Reform umfasst also nicht nur die Entlastung des staatlichen Haushalts, sondern schließt einen grundsätzlichen politischen Klarstellungsbedarf darüber ein, wer wann warum und in welchem Maße überhaupt die Unterstützung des Sozialstaates verdient. Armut, Rente, Arbeitszeit – Der Herbst der Reformen weiterlesen →

Eine strikte „Option für die Armen“ – Katholische Kapitalismuskritik im Update

Zum Geburtsfest des Erlösers hier einige Gedanken darüber, was die frohe Botschaft des Christentums mit ihrer „Liebeserklärung“ an die Armen seit 2025 Jahren im irdischen Jammertal geleistet hat und unterm neuen Papst weiter leisten will.

Von Johannes Schillo

Dilexi te („Ich habe dir meine Liebe zugewandt“), so ist das erste soziale Rundschreiben von Papst Leo XIV. betitelt, das am 9. Oktober 2025 als „Exhortatio“ (Ermahnung) verkündet wurde und dessen eigenartige Erneuerung der katholischen Kapitalismuskritik im Gewerkschaftsforum bereits Thema war. Das Schreiben trägt den Untertitel „Über die Liebe zu den Armen“ [1] und, wie Leo darin eingangs mitteilt (DT 2), hatte sein Vorgänger Papst Franziskus die aus dem Buch der Offenbarung geschöpfte „Liebeserklärung“ schon in seiner eigenen Enzyklika „Dilexit nos“ (2024) über „die göttliche und menschliche Liebe des Herzens Christi“ aufgegriffen und dort deren „unerschöpfliches Geheimnis“, so heißt es etwas geheimnisvoll, „vertieft“. Leo will sich dieses Erbe zu eigen machen, und zwar ganz im Sinne seines „verehrten Vorgängers, dass alle Christen den tiefen Zusammenhang zwischen der Liebe Christi und seinem Ruf, den Armen nahe zu sein, erkennen mögen. Auch ich halte es nämlich für nötig, auf diesen Weg der Heiligung zu dringen…“ (DT 3).

Das seltsame soziale Programm, Armut eigentlich nicht zu bekämpfen und abzuschaffen, sondern zum Orientierungspunkt eines frommen Lebens, ja zu einem Ort der Gottesbegegnung zu machen, wurde jetzt noch einmal in der Jungen Welt („Geliebte Armut“) aus kritischer Perspektive in den Blick genommen. Im Folgenden sollen zu diesen Thesen einige Nachträge & Nachweise geliefert werden. Eine strikte „Option für die Armen“ – Katholische Kapitalismuskritik im Update weiterlesen →

Brüssel: Im finstersten Mittelalter

Von Ángel Sanz Montes

Die „Phantomverordnung”: Mit einer technischen Vorschrift aus Brüssel, die den Rang eines obersten Gesetzes hat, kann die Europäische Kommission das Leben eines europäischen Bürgers oder eines legalen, bereits niedergelassenen Flüchtlings ruinieren – ohne öffentliche Debatte oder Gerichtsverfahren, nur weil er eine unbequeme politische Meinung geäußert oder an einer als „unzulässig” eingestuften Demonstration teilgenommen hat.

Sein Name erscheint in einem Anhang. Am nächsten Tag ist sein Geld verschwunden, seine Aufenthaltsgenehmigung wird annulliert und sein ganzes normales Leben bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Das ist keine Theorie mehr, sondern die neue, stille Abschreckungswaffe der EU. Es ist der Anfang vom Ende der Meinungsfreiheit.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein europäischer Bürger oder ein Flüchtling mit Aufenthaltsgenehmigung und Vollzeitbeschäftigung in Berlin. Sie haben ein geregeltes Leben, einen Arbeitsvertrag, eine Wohnung und Freunde. Sie schreiben einen Blog, nehmen an friedlichen Demonstrationen teil oder äußern in den sozialen Netzwerken, im Radio und im Fernsehen Ihre Meinung und Ihre Ablehnung der Militarisierung der Europäischen Union.

Kurz gesagt: Sie bekunden und veröffentlichen Ihre Kritik an der direkten Beteiligung an einem Konflikt wie dem in der Ukraine oder Ihren allgemeinen antimilitaristischen Aktivismus.

Eines Tages wird ohne Vorwarnung Ihr Bankkonto gesperrt. Ihre Aufenthaltsgenehmigung wird widerrufen oder für ungültig erklärt (sofern Sie Flüchtling sind). Sie werden zu einer unerwünschten Person erklärt: Sie dürfen nicht arbeiten, keine Wohnung mieten, keine Sozialleistungen beziehen und sich in vielen Fällen nicht einmal mehr im EU-Gebiet aufhalten. Sie sind aus dem System gelöscht worden. Ein regelrechter „ziviler Tod”.

Das ist keine dystopische Fantasie. Es ist eine reale Möglichkeit, die durch ein Rechtsinstrument der EU ermöglicht wird. Dieses funktioniert wie eine stille Guillotine und entzieht sich der üblichen demokratischen Kontrolle. Brüssel: Im finstersten Mittelalter weiterlesen →

Multimillionär Merz, Kriegskanzler der Geldaristokratie

…und nützlicher Idiot des US-Imperiums / „Man kann einen Menschen zum Kongress führen, aber man kann ihn nicht zum Denken zwingen.“[1]

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Geschätzte Leserinnen und Leser, bitte aufgemerkt: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“. Doch doch, das steht immer noch im Grundgesetz.[2] Sogar zweimal.[3] Der Fachbegriff dazu: „Sozialstaatsklausel.“ Sie verpflichtet den Staat, seinen Bürgern eine sichere Lebensgrundlage zu bieten. Haben wir das drauf? Schön, und jetzt die Musik dazu: Den reichsten 5 Prozent der Deutschen, 256 (Multi-)Milliardären[4] und knapp 3 Millionen (Multi-)Millionären, gehören 48 Prozent des gesamten Volksvermögens.[5], [6] Andererseits fristen im Land der Dichter und Denker 13 Millionen Menschen ihr Dasein unterhalb der Armutsgrenze[7]. 15,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Wir haben dreimal mehr arme Schlucker als reiche Schnösel. Was fällt uns dazu ein? Ach ja: Das Privatvermögen unseres Kanzlers wird vorsichtig auf 12 Millionen Euro geschätzt.[8] Nix Genaues weiß man nicht. Eine Offenlegungspflicht für Regierungspolitiker gibt es sogar in den USA, aber nicht in Deutschland.

 Bei seinem Amtsantritt legte der Bundeskanzler den im Grundgesetz vorformulierten Eid ab: Multimillionär Merz, Kriegskanzler der Geldaristokratie weiterlesen →

Der Hauptfeind steht nach wie vor im eigenen Land: Zwischen Mobilisierung, Konfliktfähigkeit und Gegenmacht – Ein Beitrag zur Strategiedebatte in der ´Friedensbewegung´

Von Andreas Buderus

Fast vier Jahre nach der Eskalation des ukrainischen Krieges, dem andauern des Genozids in Palästina, der fortschreitenden Kriegs-, Flucht und Hungereskalation auf dem Afrikanischen Kontinent und der akuten US-imperialistischen Zuspitzung, gegen Venezuela, Kolumbien, Kuba und China, fast vier Jahre nach der ausgerufenen »Zeitenwende«, ein halbes Jahr nach der kanzleroffiziell staatsräsonablen Umdeutung von Angriffskrieg in „erforderliche Drecksarbeit“ [1] und mitten in einer beschleunigten Militarisierung aller gesellschaftlichen Bereiche zeigt sich ein widersprüchliches Bild.

Kriegspolitik, Aufrüstung und aktive Kriegsvorbereitung stoßen keineswegs auf allgemeine Akzeptanz. Schulstreiks gegen die Wiedereinführung des Kriegsdienstes und sozialer Zwangsdienste, die anhaltenden Massenmobilisierungen gegen den israelischen Krieg in Gaza und Nahost oder punktuelle Proteste gegen Waffenlieferungen belegen, dass sogar im ansonsten kriegsbesoffenen Deutschland gesellschaftliche Gegenwehr möglich ist. Zugleich aber gelingt es bislang kaum, diese Mobilisierungskraft in eine dauerhafte politische Wirksamkeit zu übersetzen. Die Proteste bleiben thematisch fragmentiert, zeitlich begrenzt und strategisch unverbunden – während Aufrüstung, Militarisierung, Kriegsvorbereitung, Sozialabbau und Grundrechtseinschränkung kontinuierlich in allen gesellschaftlichen Bereichen systematisch und zunehmend beschleunigt vorangetrieben werden.

Die Aufforderung zu einer strategischen Klärung der Antikriegsbewegung kommt daher nicht zufällig. Der Hauptfeind steht nach wie vor im eigenen Land: Zwischen Mobilisierung, Konfliktfähigkeit und Gegenmacht – Ein Beitrag zur Strategiedebatte in der ´Friedensbewegung´ weiterlesen →

Deutschland und seine Migration

Bild: scharf links.deWenn es etwas gibt, worin Deutschland sich einig ist, dann ist es das: Deutschland hat ein Migrationsproblem. In verschiedener Weise definiert, reden die Parteien, die Öffentlichkeit, das Internet davon, dass Deutschland „die Kontrolle über die Migration zurückgewinnen muss“, „die Kommunen überlastet sind“, eine „Einwanderung in die Sozialsysteme“ beendet werden müsse, das deutsche Volk „vor ausländischen Gewalttätern zu schützen“ sei usw. Deutschland und seine Migration weiterlesen →

Von der Fabrikhalle auf die Bühne – Der Ford-Streik von 1973 als furioses Musical

Von Christine Ziegler

Für mich als Sekretärin der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt war es ein ungewöhnlicher Antrag, der vor rund anderthalb Jahren auf meinem Schreibtisch landete. Eine meiner Aufgaben ist es, Projektanträge vorab auf ihre Förderfähigkeit zu prüfen. Ich war hin- und hergerissen: Ein Musical – das hatte die Stiftung noch nie unterstützt.

Doch dass hier Menschen jenseits klassischer Bildungsformate ihr Anliegen künstlerisch ausdrücken wollten, machte mich neugierig. Es sprach mich unmittelbar an. Schließlich war auch der Vorstand überzeugt – und beschloss die Förderung.

Hin und wieder besuche ich Veranstaltungen, die von der Stiftung gefördert werden, um mir ein Bild zu machen. Anfang Oktober ging es für mich von Berlin nach Köln – zur Uraufführung des Musicals. Lucky me! Von der Fabrikhalle auf die Bühne – Der Ford-Streik von 1973 als furioses Musical weiterlesen →

»Ich fühle, dass ich noch lebe. Ich bin ein Mensch, ich bin hier.«

Von PRO ASYL

Shafiq, dreifacher Vater und Psychologe und Sozialarbeiter aus Gaza, floh 2022 vor dem Hamas-Regime nach Deutschland. Das war noch vor dem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg. Erst jetzt wurde er als Flüchtling anerkannt – zwei seiner Kinder sind mittlerweile gestorben, seine Frau harrt immer noch in Gaza aus.

Shafiqs* Geschichte steht beispielhaft für das Leid, das Verzögerungen oder gar Aussetzungen von Asylverfahren verursachen können. Er war bereit über seine schmerzhaften Erfahrungen zu sprechen. Wir haben zugehört und seine Erzählung in einem Wortlautprotokoll zusammengefasst:

»Ich fühle, dass ich noch lebe. Ich bin ein Mensch, ich bin hier.« weiterlesen →

„Dienstleistungswüste“ Deutschland – Sklaverei?

Wie wir alle nebenberuflich zu unbezahlter „Zwangsarbeit“ für Dienstleistungsunternehmen genötigt werden – und damit ungewollt Arbeitsplätze vernichten

Von Wilhelm Neurohr

„Ein „willfähriger Handlanger“ ist jemand, der ohne Bedenken, in würdeloser Weise, bereit ist zu tun, was ein anderer von einem fordert“.

„Sklaverei ist die Praxis der Zwangsarbeit und der Einschränkung der Freiheit. Sie ist auch ein Regime, in dem eine Klasse von Menschen – die Sklavenhalter – eine andere – die Sklaven – zur Arbeit zwingen und deren Freiheit einschränken kann“.

„Wie die digitale Welt uns Zeit, Geld, Kraft, Nerven und Lebenszeit kostet – und verblödet“

Haben Sie eigentlich mal die Stunden zusammengerechnet, die Sie monatlich für unentgeltliche Arbeiten zugunsten zahlreicher Dienstleistungsunternehmen auf eigene Kosten aufwändig verbringen, weil diese ihre früheren Service-Leistungen alternativlos immer mehr auf uns als zahlende Kunden abwälzen? Ob für Banken und Sparkassen, für Bahn und Busunternehmen oder Fluggesellschaften, für die Post und Lieferdienste, für die Telekommunikations-Unternehmen und die IT-Branche, für Hotels und Touristikunternehmen, für die Supermärkte mit Selbstbedienungskassen, für die Versandunternehmen und den Online-Handel, für Arztpraxen und Apotheken, Behörden und Finanzämter, für die Abfallentsorgungs- und Recyclingunternehmen durch (teils unsinnige) Mülltrennung, und, und, und. Was anfangs vor 30 Jahren beim Post-Konzern begann, endet noch lange nicht an der Selbstbedienungskasse im Supermarkt. In der „Dienstleistungswüste Deutschland“ sollte über diese Form der modernen „Sklaverei“ gesprochen werden. „Dienstleistungswüste“ Deutschland – Sklaverei? weiterlesen →

Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!“ Newsletter 14/2025

Newsletter 14/2025 – Schulstreik – Webinare – Positionspapiere

Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter auf Berichten vom Schulstreik gegen die Einführung neuer Zwangsdienste. Wir laden zudem zu einem Webinar zum Thema „Ist der Gaza-Krieg vorbei?“ ein, das am 18.12.25 stattfinden wird. Außerdem versenden wir einen Bericht von unserem China-Webinar und wir berichten über verschiedene Positionspapiere, die sich auf den 28-Punkte-Plan beziehen und auf das Verhältnis zu Russland Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!“ Newsletter 14/2025 weiterlesen →